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Dietrich Hans Machmer

"Codex" | Gedichte

Ein Separée in der Wüste

Am richtigen Ort zur richtigen Zeit
das Richtige tun. Das ist die Kunst
der Langeweile. Mit dem Messer
bahne ich mir den Weg zur Bar.

Wie oft streifen wir im Gedränge
die blutigen Arme derer, die uns
mit ihrer Liebe foltern werden.

Aber in Wahrheit ist dies ein guter Ort
zum Meditieren. Die Müllabfuhr
transportiert frische Gemälde durch die Stadt
und nachts stochern alte Sklaven in der Installation
am Straßenrand vertrocknet ein Fetzen Musik
und hinterlässt die Schleimspur einer Schnecke
auf der speigrünen Wiese verbeugt sich
ein Grashalm unter meinem Arsch wo
der kleine Poet die Freiheit der Gedanken probt
und weiß: alles ist ganz eitel jedes Buch
ein Museum jedes Wort

Und keiner will mehr seine Nachgeburt
zubereiten jedes Kind jeder Künstler
und die Fäulnis liegt braun über dem Humus
von sechs Millionen konkret barbarischer Worte
jedes ein Gedicht Mann ist das abgefahren
wie der geistige Zyklop aus dem Tripperlazarett
im Bannkreis seiner schweinischen Wesensart
vom Mist dieses literarischen Dadaismus noch inneres Erleben
herauszuklauben sucht und ein Separée in der Wüste
ein Stein eine Zufriedenheit und ein Meer darin
der Poet im tiefen Strudel seiner Verse surft und
dann kommst du plötzlich daher
mit deiner ganzen Zukunft
und liebst alles in Grund und Boden.

Sei nett, und tödlich

Sei immer
blödsinnig geistesabwesend
wenn dich jemand fragt, dann
sag ein Wort und lass die Frage
wiederholen und wiederhole
die Frage mit einem dujmmen Grinsen.

Antworte nie
Nimm einen Zug
und lass dich treiben
wenn du willst sei nett
sei tödlich und wundere dich
über jedes Bild, das sich in deinen Weg
stellt. Leg dich einfach mittenrein
und zieh dich aus vor laufender
Musik, beweg dich, berühr dich
dein Körper ist die größte Ausdehnung
des Universums und fett Wurststerne
hängen überall am Schweinehimmel
soviel du willst, kannst du sagen
sollte jemand fragen.

Prophylaktische Dementi

Ich gehöre nicht zu den Leuten,
die an den Tageszeiten sterben.
Guten Morgen. Heute Nacht
lief ich noch durch die Straßen
und sonnte mich im bunten Licht
einer Ölspur.

Wozu der Sonne nachtrauern?
Der heulende Mond steht nackt
am Himmel wie ein nasser Hund
in der Kirche.

Na und? Die Finsternis
weiß nichts von kreischenden Fürsten
die ihre Wahrheit mit gestrecktem Arm
unter die Masse prügeln.

Verkaufen sie endlich
ihren Alptraum.