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Ingo Herzke
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Karen Duve
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Tanja Schwarze
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Tanja Schwarze

"Die Wahrheit über die Sache mit A." | Erzählung in drei Teilen


Ich bin losgezogen mit dem Wohnmobil, allein, und habe mich auf die Suche gemacht, nach R.

Ich hatte es eilig, als ich ankam, ich stellte das Wohnmobil ab und riss die Tür auf und stürzte mich hinein in die schwere, schwirrende Luft, sie klebte an mir wie nasser Samt, ich räkelte mich zufrieden. Ich lief los, das beste musste ich sofort haben, die besten Stellen, das konnte nicht warten, und so lief ich los und keuchte und jubelte Gebäude an und Bäume und Mauerecken: hier habe ich gesessen und gegessen, hier habe ich gestanden und gestaunt, hier hat R. etwas gesagt und ich habe nicht geantwortet.

Ich kam an meine Lieblingsstelle, den Schienen bin ich gefolgt, den ganzen Weg bis hin zum Fluss, bis zu der Stelle, wo sie den Fluss überqueren, und die Brücke ist alt und schmal und aus bröckeligem Stein, und man bleibt stehen und sieht den Schienen nach, wie sie drüben verschwinden im Gestrüpp, und man denkt, soll ich hinterher, soll ich, aber man weiß nicht, ob ein Zug kommt, ob es einen gibt, und so bleibt man stehen. Ich kam zu der Brücke, und ich stürzte mich ins Gras, direkt an den Rand und sah an ihr entlang und sah hinunter. Unten das Wasser war dreckiggrün und stürzte und schwappte dahin, ganz wie es sollte, und ein Haufen Enten darauf quakte und hackte nacheinander mit den Schnäbeln, und ich lag da und ließ den Sog über mich hinweg ziehen, ich bin da, dachte ich, endlich bin ich wieder da.

Es ist mein Städtchen und das von R. Natürlich ist es auch K.s Städtchen, aber er hatte seine Leute, und ich hatte meine, und einer davon war R.