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Renate Bleibtreu

aus: Carl Michael Bellmann | Gedichte

übersetzt aus dem Schwedischen

Aus Bacchi Tempel, eröffnet beim Tod eines Helden
EINE PRIESTERIN (...)
Langsamer Lärm wird laut, ein Murmeln und Rumoren,
Bald kommt ein Schrei an Deck, Trommeln bald mir zu Ohren -
Das sind die Bacchi-Leut! fahrn auf dem Fluß hierher,
Zu feiern Movitz' Fest.
EINE PRIESTERIN
     Ach ja! ... Er ist nicht mehr,
Doch Götter! ... Ich steh da: kein Schleyer, keine Fackel,
Den Stepprock voller Fleck, zu kurz aus Taft das Jackel.
Und ohnablässig schwappt die Ebbe und die Flut,
Die kühle Morgenluft macht traurig mir mein Blut,
Tränenvoll meinen Blick.
ULLA WINBLAD
     Und ich? ... Ich wein erst, Mädel,
Mit Zahnweh, Nasfluß, Gicht, nur Grümpel noch im Schädel,
Im Fackeldunst sterb ich an Ohnmacht, mir ist schlecht,
Mein Hirn puckert so dumpf ... mein Ohr hört nicht mehr recht,
Ein Stich steckt in der Brust ... ein Ekel mir im Magen,
Ich leid mich selber nicht, so unter Junos Plagen -
Gegen den Tod, nun grad, mein junges Blut trumpft auf:
Schnell, wickel dieses Tuch mir um die Stirne, lauf,
Ich trotz einer Legion! - Ach so, der Wind zerstreut sich,
Schon spielt der Mond auf Meer und Himmel, na, das freut mich,
Mein Aug hat wieder Lust, ruhig schon die Welle liegt,
Auf ihren dunklen Saum ein weißes Krönchen fliegt.
Beim Eiland in dem See schaukelt der Schwan mit Küken
Still unterm Laub hindurch, ohne sich dort zu bücken,
Dann wieder in die Bucht und weit ins Schilf hinein,
Die Eh-Leut Seit an Seit, die Jungen hinterdrein;
Landeinwärts, weiter weg, bis zu den gelben Jollen,
Die grüne Ente watscht, sie badet, fällt, im vollen
Schwung, den Flügel weit, halb mutig, halb verzagt,
Koppheister in die Pfütz, und hockt am Rand und quakt.
Gekrönte Herden rings rindern auf allen Wiesen,
Lüfteln wild mit dem Schwanz, die Augen zugebissen;
Aus einem Gras-Tuff wirft ein wilder Stier, er schnaubt
Neben der gelben Kuh, den Mulm hoch, daß es staubt.
Der Geiß-Bock auf der Höh, nimmt Maß, ist steil gesprungen,
Bis ihm des Mondes Rund zu hörnen ist gelungen.
*     *     *
Ach ja! wohin man schaut, seit dieser Krach vorbei,
Weht eine andre die Luft, der Himmel ist wie neu.
Die Bier-Capell lugt schon hervor dort in der Ferne
Mit ihrem dunklen Spitz, den ziert eine Laterne.
In jedem Fenster Licht, überall Kerzen, Schein,
Mein Guckglas nimm und schau in die Allee hinein...
Doch dort, das Feld am Strand - kannst du es sehn beim Weinen? -
Der Wellenwind im Mond läßt silberweiß es scheinen,
Die Ernte liegt am Tag; der Friede ist sehr groß
In dem Gefilde hier, ruhig und kummerlos -
Doch Movitz ist nun tot.
EINE PRIESTERIN
     Natur hält nichts verborgen,
Dies Hemd wird täglich weiß vom Weinen meiner Sorgen:
Sein Bild im Herzen steht, in meiner Bastion;
Vergessen wir die Qual, und mit dreifachem Ton
Zupf unsre Mandolin.

[Trio]
     Sanft noch die Welle wogt,
  Sanft wird Äols Grienen,
     Wenn ihn das Lied verlockt
  Unsrer Mandolinen.
  Vom Mond beschienen
     Liegt der See so ruhig im Tal.
  Flieder, Jasminen
     Duften lieblich überall.
  Falter in gelb und grün
  Gaukeln zur Blüte hin -
     Wart, bald kraucht aus dem Staub der Wurm. :II:

     Schutz unterm Laubdachturm
  Rauscht der Baum seit Jahren;
     Dankbar hinein darum
  Sommer-Vögel fahren
  Und ihr Lied paaren
     Mit der kleinen Mandolin,
  Rundum in Scharen
     Fliegen auch die Bienen hin.
  Fische in Lust und Laich
  Hupfen hoch aus dem Teich -
     Wart, bald wirds Tag, die Nacht ist um. :II:

     Priesterin, lass uns rennen!
Zum Bacchi-Garten, schnell, unsere Ehrfurcht nennen,
Das Spiel häng übern Arm ... streich glatt den Rockzipf, schön,
Die Leute sind gleich da ... der Wind kommt heut in Böen.
Doch, Götter! ... Himmel, ach!!! Weißt du noch, wie es rauchte
Beim letzten Mal im Park, das Freudenfeuer schmauchte,
Zwölf Priesterinnen warns, und Movitz hat die Hekatomb
Im innern Tempel-Hof erricht', mit allem Pomp.
Den Movitz meine ich, das Schmuckstück unsrer Spiele,
Der hier an diesem Zaun, im Schutz der Eichen, viele
Mal gefiedelt hat, die Sonne ging dahin,
- Ach, so geht's auf der Welt - piano die Violin.
Er, dessen Mund gelacht, so rot und warm, ein Netter,
Die Äugelein verzwitzt, platt beide Schulterblätter,
Er, der hier saß und schlief, zusammengerollt, so,
Er hat nun ausgedient - geschuftet: ab trimo.
Doch bei dem Brunnen-Dach - liegst mit dem Kopf ja drüber,
Die Tempel-Herden ziehn auch gern einmal herüber -
Da, Ulla! ... weißt du noch ... der alte Movitz ... Ach!!!
Wenn der Priester ankam, getrunken hat hernach,
Wie unser Knasterbart da heimlich schmuzelte?
Die Funken flogen hoch, das Opfer bruzzelte,
Und ein Gewitter kam, geregnet hat's, geknallt,
Unter dem Kirschbeerbaum stand Movitz alsobald,
Den Becher in der Hand, ganz wie ein rechter Schenke,
Und sang er denn nicht froh! ... wenn ich daran noch denke,
"Von Daphnes rotem Wams, vergessen lag am Quell es",
Und "Von Camillas Geiß", und noch manch Zärtliches.

    Unter diesen grünen Linden,
    Gut versteckt am Wiesensaum,
    Und geschützt vor kalten Winden
      Unter diesem Baum

Sang Movitz das Kirleis,
  Ums Haupt ein Rosenreis;
    Hat hier geschlafen und gewacht,
    Am Fluß gesungen und gelacht,
Sang des Gottes Lob, der uns froh gemacht.

[1783]