Literaturpreise-Hamburg.de

Markus Lemke
Ferdinand Leopold
Miriam Mandelkow
Kerstin Döring
Lars Henken
Peter Huth
Katharina Krasemann
Wiebke Maginess
Anette Nolte-Jacobs

Wiebke Maginess

aus der Jurybewertung


"Schauplatz dieses Romananfangs ist ein Dorf in den Elbmarschen. Rike, die Ich-Erzählerin, steht kurz vor dem Abitur, als ihr Freund Ocke sich umbringt, nachdem sie ihn verlassen hat. Ocke wollte hoch hinaus, er studierte Flugzeugbau in Hamburg und war ein leidenschaftlicher Sportflieger. Nun ist er tot, und Rike muss damit fertig werden. Die Autorin erzählt, wie es ist, in einem Dorf aufzuwachsen, in dem die Nähe und Vertrautheit dennoch nicht verhindern kann, dass einer mit dem Leben vollständig scheitert. Das Besondere an der Erzählweise ist die fast durchgängige Verwendung des Präsenz. Die Bilder stehen still, trotz treffsicherer, lebendiger Schilderung des dörflichen Ambiente. Es fehlt an Vergangenheit, es fehlt an Zukunft. Die Beschränktheit der Perspektive, der Mangel an erzählter Lebensgeschichte, die Ocke krank gemacht hat, wird mit diesem Verharren im Präsenz überzeugend zum Ausdruck gebracht. Nur einmal geht die Autorin zum Imperfekt über, um die Geschichte etwas zu beschleunigen, ansonsten gelingt ihr das Kunststück, in Rückblenden zu erzählen und dabei im Präsenz zu bleiben. Die Jury war besonders überzeugt von der klaren Sprache und der Struktur des Romananfangs, der einen fesselnden, gut erzählten, in Norddeutschland angesiedelten Gegenwartsroman verspricht."