Literaturpreise-Hamburg.de

Markus Lemke
Ferdinand Leopold
Miriam Mandelkow
Kerstin Döring
Lars Henken
Peter Huth
Katharina Krasemann
Wiebke Maginess
Anette Nolte-Jacobs

Miriam Mandelkow

aus der Jurybewertung


"Miriam Mandelkow erhält einen Förderpreis für Auszüge aus ihrer Übersetzung des Romans Hangover Square von Patrick Hamilton. In diesem 1941 erschienenen und jüngst wiederentdeckten Sitten- und Säuferroman zeichnet der britische Autor das finstere Porträt einer verlorenen Generation zwischen Apathie und Zynismus - quälend im minutiösen Nachvollzug eines selbstzerstörerischen Lebensstils, komisch in der bitteren Banalität gelangweilter Kneipengespräche, bedrohlich durch die im Hintergrund unausweichlich nahende Weltkatastrophe. Den verhängnisvollen Verlauf der Geschichte verfolgen wir aus der fragmentierten, durch Absencen auch in der Artikulationsfähigkeit gedämpften Perspektive des schizophrenen George Harvey Bone. Miriam Mandelkow führt uns hier Übersetzen als "exakte Kunst" vor: Die sprachlichen Regeln, die ihre Lesart zu einer stimmigen und gelungenen Lösung machen, gehorchen einer Logik, die schon den ersten Zeilen eingeschrieben ist, und so wird der Anspruch sichtbar, an dem sich diese Übersetzung messen lassen will und kann: Miriam Mandelkow versteht sich unbedingt als Anwältin ihres Autors, sie liest und lauscht dem Original sehr genau noch subtilste Nuancen ab, sie widersteht der Versuchung, auszudeuten, was Ahnung bleiben muss, bunter, lauter oder expressiver zu tönen als ein klaustrophobisches Original, und doch setzt sie mit Bedacht unüberhörbar einen Ton, der George Harvey Bone lebensgroß vor uns hintreten lässt und uns zwingend auf dessen eigentümliche Wahrnehmung der Welt einschwört."