Literaturpreise-Hamburg.de

Gabor Altorjay
Eva Bonné
Karin von Schweder-Schreiner
Harriet Grabow
Alexander Häusser
Dieter Hellfeuer
Ursula Schötzig
Stefanie Schütz
Michael Weins

Alexander Häusser

aus der Jurybewertung:


"Nach Dänemark geht die Reise. Kalt ist es dort; ungemütlich. Das Haus ist nicht beheizt, in dem sich Simon Welde wiederfindet - ein Paläontologe und Hominiden-Forscher. Einer also, der mit Fossilien und Knochen spricht. Das Haus gehört einem gewissen Karnstedt. In Jugendtagen Simons bester Freund; damals ein Außenseiter wie er. Seit zwanzig Jahren jedoch hat Simon nichts mehr von ihm gehört. Nun aber scheint Karnstedt endgültig verschwunden; vielleicht ist er tot - oder auch nicht. Sicher ist nur: Simon soll sich um den Nachlass des einst so engen Freundes kümmern und vor allem dessen Haus verscherbeln. Doch gerade letzteres will nicht recht gelingen: Das Haus, seine Räume, das, was offenbar in großer Wut aus den Schubladen gerissen und aus den Regalen gefegt wurde, verströmt etwas, als habe sein Besitzer es eben erst verlassen. Um vielleicht zurückzukehren? Gewiss erschrickt der Literaturfreund und die Literaturfreundin in diesem Moment. Ein Ich-Erzähler, der hineingeworfen wird in eine diffus-ungeklärte Szenerie, die nach vergangenen wie ungeklärten Konflikten schmeckt, kennen wir das nicht? Ist das nicht schon zigtausend mal erzählt worden? Doch wie angenehm, wenn eben diese grundlegende Geschichte vom Wirken der Vergangenheit hinüber in die Gegenwart erneut aufgegriffen und erzählt wird, von einem Autor, der genau das kann. Und jener Einwand (Klare Sache, kenn' ich!) verfliegt schneller, als man es bemerkt. Zitat: "Freundschaften gehen auseinander, das ist ganz normal." Wirklich? Nein, normal ist das natürlich nicht. Überhaupt ist nie das normal, was man normal nennt. Genaugenommen fängt es da erst an. Und wie sich nun der Lebenslauf einer Freundschaft zweier Außenseiter entblättert, wie beiden Helden in sich abwechselnden Kreisbewegungen nach gegangen wird bis zu dem Moment, da das Außenseitersein als Verbindendes allein nicht mehr reichte und etwas Neues hätte entstehen müssen, das ist spannend und intensiv geschildert und locker einen Förderpreis wert."