Literaturpreise-Hamburg.de

Gabor Altorjay
Eva Bonné
Karin von Schweder-Schreiner
Harriet Grabow
Alexander Häusser
Dieter Hellfeuer
Ursula Schötzig
Stefanie Schütz
Michael Weins

Stefanie Schütz

aus der Jurybewertung


"Größte - und schmunzelnde - Einmütigkeit hat dieser Beitrag in der Jury hervorgerufen. Denn dieses rasante Hörspiel aus 62 rasch wechselnden Szenen ist nicht nur schon recht professionell mit Regieanweisungen versehen und könnte sofort produziert werden, nein, es ist außerdem höchst amüsant. Und das ist sein größtes Verdienst, geht es doch um sehr ernste Themen, denen vielleicht nur noch die groteske Überzeichnung gerecht wird: Die Einsamkeit und die Unfähigkeit, echte Erfahrungen mit sich selbst und mit der Wirklichkeit zu machen, erscheinen in diesem Kaleidoskop bizarrer Szenen nämlich um so tragischer, als ihnen in größter Selbstverständlichkeit mit entsprechenden Dienstleistungen und Waren abgeholfen wird. So gibt es "Leihfreunde", bezahlte Beobachter des eigenen Lebens, eine "Gefühlsdusche", fingierte Todeserlebnisse auf der Jahrmarkt-Bude, eine Uhr mit Anzeige der verbleibenden Lebenszeit, CDs mit Lebensgeräuschen von Nachbarn und dergleichen mehr. Dieselbe Technik, die die menschliche Nähe zerstört hat, soll sie nun ersetzen: Anrufbeantworter kommunizieren miteinander und eine ganze Ehegeschichte spielt sich über Handys ab. Die ehrlichste unter all diesen deformierten Figuren ist vielleicht noch der "Telefonbuch-Mann", der auf der Suche nach "Potentiellen Freunden" das Telefonbuch durchtelefoniert.
Diese Zeitkritik ist so treffsicher und pointiert in Szene gesetzt, daß sie einen Preis verdient und wir gespannt auf die Hörspielproduktion warten."