Myriam Keil
aus der Jurybewertung:
"Ich wundere mich oft, dass mancher Lyriker in seinen Gedichten weit weniger Vernunft zeigt als in seinen sonstigen Äußerungen", hat Brecht einmal notiert. Die Gedichte von Myriam Keil schlagen an Stellen, wo das Gefühl lauert, eine rationale Richtung ein. Es sind kluge Gedichte, die den Leser weniger berühren, als anstoßen. Ein überraschend harter Ton wird angeschlagen, einer, der Resonanz fordert. So kann man sich auch die Autorin als Beobachterin vorstellen: sie verwandelt, was sie sieht, in unsentimentale Bilder, woraus wiederum eine Art analytischer Kommentar entsteht. Beobachten wird zur Teilhabe, Beschreiben zum Eingriff. In dieser Transformation liegt die Kunst dieser Gedichte."