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Isabel Bogdan
Ingo Herzke
Andreas Münzner
Stefan Beuse
Lars Dahms
Dierk Hagedorn
Myriam Keil
Jasmin Ramadan
Friederike Trudzinski

Isabel Bogdan

aus der Jurybewertung:


"Eine Genizah ist ein vermauerter Hohlraum zur Aufbewahrung ausgedienter liturgischer Schriften, und man vermutet sie am ehesten in einer Synagoge. In Tamar Yellins Roman "Genizah at the House of Shepher" wird ein privates Wohnhaus zu einer solchen Genizah, als auf dem Dachboden der Shephers eine wertvolle Thora-Handschrift gefunden wird. Dies ist der Ausgangspunkt von Tamar Yellins Geschichte: Von dem merkwürdigen Fund angezogen reist die Hauptfigur, die englische Jüdin Shulamith Shepher, nach zwanzig Jahren erstmals wieder nach Jerusalem. Diese Reise ist nicht nur eine Rückkehr in die alte Heimat, sondern entwickelt sich zu einer Expedition in Shulamits Familiengeschichte. Der Roman lebt aber nicht nur von Handlungssträngen, von schrulligen Figuren oder von Yellins profunder Kenntnis der jüdischen Kultur und Geschichte. Seine Sprache ist präzise und abwechslungsreich, ausschweifend und verdichtend zugleich und eröffnet, zwischen und hinter den Zeilen, einen Raum, in dem plötzlich auch das Nichtbeschriebene und Nichtgesagte auftaucht, bis sich eine ganze Welt aufzutun scheint. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile; und auch Übersetzen ist immer mehr als gewissenhafte Recherche oder das Einhalten von vorgegebenen Bauplänen, das sich durch braves Vokabelnnachschlagen erreichen ließe. Eine gelungene Übersetzung beschreibt nicht bloß Figuren oder erzählt Geschichten nach, sondern sie trifft einen Ton; denn nur damit ist sie in der Lage, den vom Original eröffneten Raum zum Klingen zu bringen. Isabel Bogdan ist es gelungen, sich diesen Raum zu erspüren und mit eigener Sprache, ihren eigenen Mitteln zu rekonstruieren, und das wunderbare Resultat ist der Jury einen Förderpreis für literarische Übersetzung wert. "