Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Jakobeit
Andreas Löhrer
Miriam Mandelkow
Sven Amtsberg
Robert Cohn
Nils Mohl
Hartmut Pospiech
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig

Sven Amtsberg

aus der Jurybewertung:


„Ich war acht, als sie Mutter mitnahmen, und lange habe ich sie anschließend nicht sehen dürfen.“ So lakonisch und so präzise zugleich lässt Sven Amtsberg seinen Erzähler zwischendurch von dem erzählen, was so passiert ist, in dessen Kindheit. Es ist keine einfache Kindheit, denn es ist nie eine einfache Kindheit, wenn die kommen und die Mutter mitnehmen und man ist acht und man sieht sie anschließend lange nicht. Aber gab es eine Alternative? „Mutters Kopf ist ein Zimmer mit Milchglasfenstern, damit niemand hineinsehen kann. Mutter, Mutter.“ Und weiter geht die Geschichte und der Erzähler ist kein Kind mehr, er ist ein junger Mann und wenn der Eindruck nicht täuscht – und warum sollte er – dann ist er nicht minder seltsam wie es Mutter war. Warum auch nicht? Wenn das, was seltsam sein mag, normal ist, ist das, was normal ist, seltsam.
Und der Erzähler wird erwachsen, er trifft eine Frau, denn es gibt eines Tages immer eine Frau neben Mutter und selbstverständlich heißt die Frau – die eine, die andere Frau – sie heißt: Maria.
Es ist ein beunruhigender Text, nicht nur für Sozialpädagogen, für die Leserinnen von „Psychologie heute“, den Sven Amtsberg vorgelegt hat, gehalten in dem so typischen Sven Amtsberg Rhythmus, den, wer Sven Amtsberg einmal hat lesen hören, sofort wieder erkennen wird.“