Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Jakobeit
Andreas Löhrer
Miriam Mandelkow
Sven Amtsberg
Robert Cohn
Nils Mohl
Hartmut Pospiech
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig

Robert Cohn

aus der Jurybewertung:


„Für Menschen, die gerne lachen, sind die durchweg skurrilen Geschichten dieses Autors eine Offenbarung. Humorvoll erzählen zu können, ohne sich dabei in den Niederungen des Seichten zu verlieren oder jenen leidlich bekannten schenkelklopfenden deutschen Humor zu bemühen – das ist ein rares Talent, über das der Autor verfügt. Überdies entfalten seine Erzählungen eine sehr besondere, höchst melancholische Musik. Seine Helden sind Randständige, Verlorene, Teile einer jüdischen Subkultur, die sich um die Reeperbahn angesiedelt hat. Es sind aus allen nationalen Bezügen, bürgerlichen Sicherheiten und religiösen Heilserwartungen Herausgefallene, von der Gesellschaft ausgesonderte Käuze. Sie hocken den lieben langen Tag vor der Glotze und bringen es zu nichts. Ein großer Daseins-Ekel hat Besitz von ihnen ergriffen. Den Kampf gegen die Sinnlosigkeit haben sie längst aufgegeben, obwohl sie gelegentlich Gott, an den sie nicht recht glauben, herauszufordern versuchen. Dann stiefeln sie über die stark befahrene Straße und gucken, was passiert.
Belzer zum Beispiel macht das so, auf dem Tiefpunkt seiner Existenz angekommen. Gerade hat er bei Ebay eine nutzlose Zinnkanne "Wiener Biedermeier" für 210 Euro ersteigert - dabei lagern auf seinem Konto gerade mal noch zwei Cent. Sein Kühlschrank leckt und leidet an Schwindsucht. Seit Tagen hat er nichts gefrühstückt. Da begegnet ihm auf der Straße die dicke Libby, Immigrantin aus der Ukraine. Sie ist dafür bekannt, in wohlbeleibter Gutmütigkeit ihre Blinis an alle zu verteilen und alleinstehende Männer zum Essen einzuladen, um mit ihnen nicht nur lukullische, sondern auch handfest-erotische Freuden zu teilen. Bei Belzer kommt sie leider nicht zum Zug. Sein vom üppigen Fett-Mahl verstimmter Magen hat sich bereits entleert. Der Ekel, der sich bei der Zwangs-Einführung in Libbys Möse einstellt, lässt ihn türmen.
Cohns Erzählungen treiben mit der Sinnlosigkeit ihren Scherz. Stets verweisen sie über sich selbst hinaus ins Existenzielle, verdichten sich zu Gleichnissen über das menschliche Dasein.“