Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Jakobeit
Andreas Löhrer
Miriam Mandelkow
Sven Amtsberg
Robert Cohn
Nils Mohl
Hartmut Pospiech
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig

Nils Mohl

aus der Jurybewertung:


„Nils Mohl hat drei Erzählungen eingereicht, die uns Figuren in Ausnahmesituationen zeigen. Ein junger Mann protokolliert die Nonsensgespräche mit seiner dementen Großmutter, bis er eines Tages anfängt, sie wörtlich zu nehmen. Ein zweiter Mann bespricht 51mal den AB seiner Geliebten, die ihn versetzt hat. Und einem dritten Mann schließlich, dem Familienvater M. aus der Geschichte „Stadtrand Kuss Tier“, kommt eines Abends irgendwie sein Leben abhanden. Er hat auf der Heimfahrt beschlossen, ein großes Fest zu feiern, und geht sofort los, um die Nachbarn persönlich einzuladen. Wir folgen ihm auf seinem Weg von Haus zu Haus, und während die Party eine immer konkretere Gestalt annimmt, geschieht plötzlich etwas Seltsames: Die Reaktionen einiger Nachbarn lassen den Schluss zu, dass dieses Fest bereits stattgefunden hat, und es scheint, als wären dabei einige unerhörte Dinge geschehen. Dieser Mann ist offenbar unterwegs von der Zeit überholt worden, und mit einem Mal ist alles anders als zuvor. Mit ihm verlieren auch wir Leser ganz allmählich jede Gewissheit und bleiben am Ende ein wenig beunruhigt zurück.
Nils Mohl ruft mit wenigen knappen Sätzen Bilder eines wohlgeordneten Lebens in uns auf, um das Geschehen dann unversehens ins Surreale hinübergleiten zu lassen. Er geht dabei unauffällig vor, vermeidet jeden unnötigen Effekt und überrascht uns darum umso mehr; er treibt ein gekonntes, verstörendes Spiel mit uns, das uns unbedingt preiswürdig erschien.“