Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Jakobeit
Andreas Löhrer
Miriam Mandelkow
Sven Amtsberg
Robert Cohn
Nils Mohl
Hartmut Pospiech
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig

Hartmut Pospiech

aus der Jurybewertung


„Schon die Exposition ist fulminant und cineastisch: Eine Nachtschwester, Anne, bleibt nächtens im Fahrstuhl eines Pflegeheims stecken. Mit ihr an Bord: Eine Tote, Frau Fröse, Insassin des Pflegeheims und frisch verschieden. Anne wollte sie gerade in den gut gekühlten Aufbahrungsraum bringen. Erste Schauder jagen einem über den Rücken. Gleichzeitig kann man sich der Komik der Situation nicht erwehren. Was soll das werden? Eine skurrile Schauergeschichte, ein schwarzhumoriges Albtraum-Spiel? Die Protagonistin, die im Fahrstuhl steckt und aus der makaber-klaustrophobischen Situation vorerst nicht erlöst wird, weil erstens ihr Handy nicht funktioniert und zweitens der Hausmeister nicht zur Stelle ist, fühlt sich der Dunkelheit und den eigenen Stimmen ausgeliefert. Sie lässt den Tag noch mal Revue passieren.
Mit großer Milieukenntnis und ganz dicht an der Wirklichkeit skizziert der Autor das Leben einer Pflegeschwester. Die traurig-komischen Begegnungen mit den meist demenzkranken Insassen, die Mühsal des Fütterns und Säuberns unter dem Diktat der Zeit. Daneben: die Parallelwelt, das eigene, sich den festen Regularien verweigernde Chaos- Dasein, in dem man nicht weiß, ob man sich auf eine eventuelle Schwangerschaft freuen soll oder nicht. Doch da mischt sich auf einmal die Tote ein, erhebt ihre Stimme....
Dem Autor ist es gelungen, Tod und Leben auf raffinierte Art miteinander zu verweben. Mit reichlich Gothic-Novel-Kolorit, einfühlsam, atmosphärisch dicht und durchaus auch komisch erzählt er Geschichten aus dem Alltag. Die fiktive Realität flimmert, das Erwartete geschieht nicht, der Leser ist verstört.“