Literaturpreise-Hamburg.de

Eva Bonné
Ferdinand Leopold
Nicolai von Schweder-Schreiner
Ada Dorian
Maria Regina Heinitz
Finn-Ole Heinrich
Susanne Höbel
Sven Lange
Alexander Rolf Meyer

Ada Dorian

aus der Jurybewertung:


„Ada Dorian hat als Erzählerin entdeckt, es gibt Köhler-Geschichten nicht nur in den Karpaten, sondern auch im West-Berliner Wedding gleich hinter der Mauer. Verlorene Menschen im Zwielicht verschwiegener Vergangenheit, dahinter Leidenschaften und jene vor allen Wörtern liegenden Tragödien. Jeder ist ein anderer, als es scheint. Der junge Maximilian fragt in seiner Köhler-Einsamkeit nicht lange und nimmt Iva, das noch jüngere polnische Waisenmädchen aus den Karpaten in seiner trennungs-gezeichneten Neubauwohnung auf. Wie glücklose Engel, die sich im Schweigen verstehen, leben sie ohne Sprache lange nebeneinander her, hart und verstört, wie vom Leben beleidigt. Und keine fremde Hand am einsamen Fleisch. Gebremstes Leben, doch hinter jeder Enthaltung brennt eine Sehnsucht. Aber was man mit Blicken alles feststellen kann. So auch den Unterschied zwischen sich und den anderen. Absichtslos in seiner intellektuellen Verlorenheit zeigt sich auch der benachbarte Wohnzellen-Bewohner Haan, ein 70-jähriger Literaturprofessor, der Iva im Verborgenen Deutsch als Hochsprache beibringt. Drei verschattete Biographien. Die zwangsläufigen Lebensversäumnisse stehen in den Gesichtern, wie überhaupt hier schon auf wenigen Seiten von Ada Dorian sich Figurengeschichten abzeichnen, denen man die Strahlkraft einer Romanhandlung zutrauen darf. Was nicht heißt, dass in der Weddinger Szenerie schon alles gelungen sei. Es sind die Bilder aus dem karpatischen Dreiländereck zwischen Polen, der Slowakei und der Ukraine, die zeigen, was Ada Dorian möglich ist. Zwei Köhler mit ihren von Arbeit ausgelöschten Gesichtern geben im Nebelwald einer Zwölf-Jährigen, die früh erfahren hat, Leben besteht auch darin, dass sich die Möglichkeiten verringern, neues Urvertrauen und einen neuen Namen. Ab jetzt weiß sie, sie ist eine andere. Motive fliegen herum wie Fledermäuse, gespürt, aber unerkannt. Es ist trüb und es herrscht Geheimnis, aber in der verlorenen Armut liegt auch eine letzte Bestimmung zum menschlichen Handeln. Ada Dorian gelingt das ohne allegorische Aufladung epischer Momente. Das Köhler-Stück lässt beim Förderpreis kein Zögern zu.“