Literaturpreise-Hamburg.de

Eva Bonné
Ferdinand Leopold
Nicolai von Schweder-Schreiner
Ada Dorian
Maria Regina Heinitz
Finn-Ole Heinrich
Susanne Höbel
Sven Lange
Alexander Rolf Meyer

Finn-Ole Heinrich

aus der Jurybewertung:


„Man könnte es perfide finden, wie Finn-Ole Heinrich den Leser in seine Geschichten hineinlockt. Denn die scheinbare Ruhe ihrer Eröffnungen ist das Vakuum nach der Katastrophe, der große Knall ist schon passiert. Aber bevor der Leser sich versehen hat, ist er bereits verstrickt. Denn die Welt ist viel nachhaltiger aus dem Gleichgewicht geraten, als es den Anschein hatte, die Rückkehr zur Normalität will nicht gelingen: Nicht die beinamputierte Susan hat Probleme, sondern ihr Freund, weil der Anblick des Stumpfes beim Sex bei ihm Hemmungen auslöst - und weil Susan mit nimmermüdem Optimismus ihr Schicksal annimmt, was ihm so gar nicht gelingen will. Auch Henning, der einen kleineren Jungen grausam gequält hat, macht nicht mit bei der Therapie im „Haus Hirte Heim für gestörte Kinder“, sondern wehrt sich mit Lügen und Ironie gegen die wohlgemeinte Pädagogik seiner Erzieher. Ambivalenz prägt die Erzählungen, und mit beachtlicher Souveränität gelingt es Finn-Ole Heinrich, nicht nur seine Figuren, sondern auch den Leser dieser Ambivalenz auszuliefern, dass es ihn hin- und herwirft zwischen Sympathie und Abneigung für die Figuren, durch deren Augen er das Geschehen erlebt. Mit einer unaufdringlichen, aber dennoch markanten Sprache, die den Charakter und die Gefühlswelten seiner Ich-Erzähler trifft, und mit einer Prise schwarzem Humor entwirft der Autor auf wenigen Seiten Welten, die die Komplexität des realen Lebens abbilden und den Leser mit vielen Fragen zurücklassen. Man könnte das perfide finden. Aber die Jury findet das nicht. Die Jury findet: Finn-Ole Heinrich hat einen Preis verdient - einen Hamburger Förderpreis für Literatur.“