Literaturpreise-Hamburg.de

Eva Bonné
Ferdinand Leopold
Nicolai von Schweder-Schreiner
Ada Dorian
Maria Regina Heinitz
Finn-Ole Heinrich
Susanne Höbel
Sven Lange
Alexander Rolf Meyer

Susanne Höbel

aus: „Wandertage“ | Erzählungen


Als sie rückwärts aus der Einfahrt fuhren, war der Himmel milchig verhangen, zwar schien eine blasse Sonne hindurch, aber es sah nach Regen aus. Auf dem Weg in den Schwarzwald hinauf wurde es immer dunkler, die Wolken hingen tief in den Tälern, und noch vor Titisee fing es an zu regnen. Sie fuhren in Haarnadelkurven bergauf, vor ihnen die lange Schlange der roten Rücklichter und die weißen Scheinwerfer der Autos, die ihnen entgegenkamen, hatten mal kleinere, mal größere Strahlenkränze. Es regnete sich ein und regnete ununterbrochen weiter, bis sie am Nachmittag im Allgäu ankamen.
   Achim und Gesa Groninger hatten sich ein paar Tage frei genommen. Die Herbstferien hatten begonnen, und die Kinder fanden es wunderbar, wenn sie ein paar Tage allein bleiben durften. Wenn die Eltern, wie es hin und wieder vorkam, verreisten, bildeten die drei Kinder, die normalerweise so zänkisch und zerstritten waren wie alle anderen Kindern in allen anderen Familien auch, eine kleine Einheit, fest zusammengeschmiedet und unverbrüchlich loyal. Sie wussten, sie könnten ungestört ihre Lieblingssendungen sehen und laut Musik hören. Gesa hatte ihnen eine Packung Miracoli hingestellt und Geld dagelassen, damit sie sich Pizza kaufen konnten.
   Achim und Gesa sprachen wenig. Eigentlich gar nicht. Plötzlich allein zu sein, kam ihnen befremdlich vor, zu sehr waren sie es gewohnt, im turbulenten Familiengetriebe, wo sie jederzeit unterbrochen oder abgelenkt werden konnten, miteinander zu sprechen. Irgendwann - sie waren eine gute halbe Stunde gefahren - sagte Gesa: "Zum Glück ist Betty schon halbwegs erwachsen und vernünftig. Da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, wenn wir mal weg sind. Oder?" Über Betty zu sprechen, barg keinerlei Risiko, da waren sie sich einig: ihre älteste Tochter war ein verständiges junges Mädchen, dem man Verantwortung übertragen konnte. Achim stimmte ihr also zu, und sie bestätigten sich gegenseitig, was für ein Glück sie mit Betty hatten. Dann verstummte das Gespräch, aber sie waren jetzt weniger angespannt, das spürten sie beide und fühlten sich sofort wohler. Sie hielten nur einmal kurz an einer Raststätte, um zur Toilette zu gehen und eine Tasse Kaffee zu trinken. Als sie wieder im Auto saßen, packte Gesa die Butterbrote aus, die sie vorbereitet hatte, und fragte Achim in Abständen: "Käse oder Wurst?", worauf er zweimal Wurst und einmal Käse sagte und ihr jedes Mal die Hand entgegenstreckte, in die sie das gewünschte Brot steckte. Dann sagte er, er sei satt, und nachdem sie selbst ein Wurst- und ein Käsebrot verzehrt hatte, wickelte sie die restlichen Brote wieder ein.
   Am frühen Nachmittag und bei fortwährendem Nieselregen kamen sie in dem Ort an, den sie sich für ihre Wandertage ausgesucht hatten, und hielten Ausschau nach einem Quartier. Durch den Regenschleier und bei dem grauen Himmel sahen alle Pensionen gleich aus: wenig einladend, die Geranien regenmatt in den Fensterkästen, die Türen verschlossen. "Zur Aloisalm", stand auf einem Schild, das den Hang hinaufwies, und die Idee, oberhalb des Ortes ein Zimmer zu nehmen, von wo aus sie für ihre Wanderungen leichteren Zugang zu den Bergwegen haben würden, gefiel ihnen. Sie fuhren in Kehren bergauf, kamen an kleineren und größeren Häusern vorbei und an einem weiteren Schild zur Aloisalm, als sollten sie dadurch ermutigt werden, ihr Vorhaben nicht aufzugeben, und nachdem sie ein Stück durch den Wald gefahren waren, dabei immer weiter bergauf, erreichten sie die Aloisalm, ein Allgäuer Bauernhaus wie die anderen unten im Ort auch, mit den gleichen regenmatten Geranien und dem gleichen abweisenden Anblick der verschlossenen Türen. Seitlich vor dem Haus war ein Schotterplatz, wo zwei Autos parkten. Achim stellte das Auto dort ab, sie stiegen aus und gingen zum Haus. Zum Eingang kam man, nachdem man durch ein schmiedeeisernes Tor gegangen war, in dem die Jahreszahl "1967" zu lesen war. Vor der Haustür lag eine Fußmatte, auf der "Herzlich Willkommen" stand, an der Hauswand neben der Tür war eine Keramikplatte angebracht mit der Aufschrift "Vorsicht vor dem Hund".
   Achim klingelte. Zu zweit standen sie unter dem Vordach aus Wellplastik. Nach einer langen Weile kam jemand zur Tür und machte auf. Eine Frau Mitte vierzig, die kurzen borstigen Haare kupferrot gefärbt, in karierten Wollhosen und einem gelben, hüftlangen Pullover.
   Achim fragte nach einem Zimmer. Die Frau musterte sie, zunächst abschätzend, dann etwas freundlicher. Sie fragte, wie lange sie bleiben wollten, und als sie hörte, drei Nächte, sagte sie: "Kommen's, ich zeig's Ihnen." Im Haus war es kühl. Die Frau stieg vor ihnen die Treppe in den ersten Stock hinauf, ging den Flur entlang und blieb vor dem Zimmer mit einer Keramik-Zwölf stehen. Es war ein Doppelzimmer mit Bad, allerdings nur Dusche, das Bett war mit gelber Bettwäsche bezogen, die Vorhänge waren gelb-grün-beige gemustert, die Handtücher im Badezimmer waren hellbraun wie auch die Kacheln und Fliesen. Sie einigten sich mit der Frau, dass sie das Zimmer für drei Nächte nehmen würden.
   Achim und Gesa gingen wieder zum Auto und holten ihre Taschen und den Rucksack. Sie gingen in das Zimmer mit der Nummer Zwölf, stellten ihre Reisetaschen ab, benutzten die Toilette und wuschen sich die Hände. Achim stellte, wie er es immer tat, wenn er woanders schlief, seinen Wecker auf den Nachttisch und legte das Buch, das er vorm Einschlafen las, daneben.
   Sie schlossen das Zimmer ab und gingen nach unten. Die Frau war im Hausflur und fragte sie, ob sie abends im Haus essen wollten. Gesa und Achim sahen sich an, wägten stumm ab und nickten dann. Ja, sie würden sich um sieben Uhr in der Gaststätte einfinden.
   Sie gingen zum Auto und fuhren wieder in den Ort. Sie hatten beschlossen, trotz Nieselregen und verhangenem Himmel den See auf dem Seeweg zu umwandern. Eine größere Unternehmung hatte bei diesem Wetter keinen Sinn, aber einmal um den See, was ihrer Wanderkarte nach gut möglich war, müsste auch bei Regen möglich sein. Am diesseitigen Ortsende stellten sie das Auto ab. Obwohl sie keine Berge besteigen würden, zogen sie Wanderschuhe an, um auf regennassen Wegen trittsicher zu sein. Gesa setzte sich bei offener Tür auf den Beifahrersitz und zog sich die derben Schuhe an, während Achim den Schuhwechsel am Kofferraum stehend vollzog. Achim stellte die zwei Paar Straßenschuhe in den Kofferraum und klappte ihn zu. Sie zogen sich die Regenjacken an, nahmen jeder einen Regenschirm und gingen los.
   Es war mild, der Kiesweg war trotz des anhaltenden Regens anfangs gut begehbar, und die melancholische Stimmung am See gefiel ihnen. Sie lächelten sich zu. Sie gingen schweigend nebeneinander, zwei Regenschirme, der eine, blau-grün-kariert, etwas höher als der andere, weinrot mit bunten Randstreifen, in perfekt paralleler Synchronisation. Nur gelegentlich, wenn einer einen Bogen um eine Pfütze machte und die Schirme versehentlich aneinander stießen, sagte Gesa "Entschuldigung", und Achim sagte "hoppla". Hin und wieder machte einer den anderen auf eine überhängende Weide, einen Schwarm Enten, ein besonders hübsch gelegenes Haus aufmerksam, doch die meiste Zeit gingen sie schweigend und jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend nebeneinander.
   An der ihrem Ausgangspunkt gegenüberliegenden Seeseite mussten sie das Ufer verlassen und auf jetzt asphaltiertem Weg bergauf gehen, durch einen Ortsteil. Die Straßen, glänzend vom Regen, waren leer, nirgendwo Menschen, keine Stimmen oder Geräusche, kein Licht in den Häusern, das auf Leben hindeutete. Ein weißer Lieferwagen überquerte die breite, unbelebte Kreuzung, sonst Stille. Der Weg führte wieder hinunter zum See. Nichts regte sich, nur regennasse Straße, regenglänzende Bäume, Häuser mit abweisend dunklen Fenstern und traurig hängenden Geranien, die letzten noch vom Sommer, in den Fensterkästen.
   Anscheinend unvermittelt sagte Gesa: "Jetzt werden sie sich wohl ihre Miracoli-Nudeln gekocht haben." Zur Antwort verzog Achim das Gesicht. Dann sagte er: "Hauptsache, Jonas geht zum Friseur, wie er es versprochen hat." "Das wird er schon", sagte Gesa. "Obwohl, ich finde ja, das er süß aussieht mit seinen langen Haaren."
   "Süß! Von wegen süß", erwiderte Achim.
   Der See war groß, der Weg zog sich, die Wanderschuhe erwiesen sich auf besonders durchweichten Wegstücken als nützlich, was sich Gesa und Achim gegenseitig einige Male bestätigten, und nach zweieinhalb Stunden hatten sie den Rundweg geschafft. Ihre Hände, in denen sie die Regenschirme hielten, waren klamm und steif. Im Ort suchten sie nach einem Café und fanden schließlich eine kleine Bäckerei mit ein paar Tischen im Nebenraum. Sie stellten die tropfenden Regenschirme am Eingang ab, zogen die triefenden Jacken aus und setzten sich an einen der Tische. An einem anderen saß ein älterer Mann und trank ein Bier. Die Bedienung brachte ihnen Tee und Kaffee und zwei Stück Nusskuchen. Ihre Hosen waren feucht, zumindest klamm, und sie saßen mit gespreizten Beinen am Tisch und tranken Tee und Kaffee und aßen Nusskuchen.
   Bis zum Auto brauchten sie noch eine Viertelstunde. Sie legten die nassen Regenschirme in den Kofferraum. Sie zogen sich die Wanderstiefel aus, Gesa wieder auf dem Beifahrersitz sitzend, Achim am Kofferraum stehend. Er schlug die Wanderschuhe paarweise aus - Klumpen von feuchtem Sand mit Kies sprangen ab - und stellte sie im Kofferraum auf eine Zeitung, die er dort ausgebreitet hatte.

Als sie wieder zu der Pension kamen, gingen sie in ihr Zimmer, zogen die feuchten Sachen aus und trockene an. Achim drehte die Heizung an.
   "So hatte ich mir unsere Wandertage nicht vorgestellt, das gebe ich zu", sagte er und streckte sich auf der gelben Bettwäsche aus.
   "Vielleicht ist es morgen besser", sagte Gesa, eine Beschwichtigung, nichts weiter, und ihr Ton war gezwungen munter. Auch sie legte sich aufs Bett. Achim hatte sich die Wanderkarte vorgenommen, und Gesa griff nach den Prospekten, die in dem Fach des Nachttischs lagen.
   Kurz vor sieben gingen sie in die Gaststube. Es war ein langgestreckter Raum mit Fenstern entlang der einen Seite und zwei langen Reihen mit Tischen und Bänken, dazwischen ein Gang. Die Dekorationen waren das Übliche: Braun-bunt-geblümte Dralondecken, zwei müde Chrysanthemen auf jedem Tisch, die Bänke gepolstert und mit braungemustertem Stoff bezogen.
   Am ersten Tisch gleich beim Eingang und bei der Tür zur Küche saß ein Mann. Gesa und Achim nickten zur Begrüßung und sagten "guten Abend". "Grüß Gott", sagte der Mann. Außer ihm war niemand in der Gaststube. Gesa und Achim gingen zum vorletzten Tisch und setzten sich. "Alkoholiker", sagte Gesa fast tonlos, und Achim nickte. Im nächsten Moment kam der Mann mit der Speisekarte zu ihnen. Offenbar war er der Wirt.
   Sie bestellten, dann bekamen sie die Getränke, für Achim ein Bier, Gesa trank Wein, und warteten auf das Essen. Der Wirt war verschwunden. Wahrscheinlich war er auch der Koch. Die Befangenheit zwischen ihnen, die sich auf der Autofahrt fast gelegt hatte und während des Spaziergangs erst verschwunden und später erneut aufgekommen war, kehrte jetzt besonders stark zurück. Es war auch die Befangenheit des Ortes. Ein Gespräch bei normaler Lautstärke schien nicht möglich in einem Raum, in dem sie außer dem Wirt - und der Wirtin, die jetzt hereinkam - die einzigen Personen waren.
   Nach einer Weile brachte die Wirtin das Essen. Gesa und Achim bestellten noch einmal Getränke und fingen an zu essen. Ein Mann kam in die Gaststube, grüßte zu ihnen hinüber, begrüßte die Wirtin, die in der Tür zur Küche stand, und den Wirt und setzte sich zu ihm an den Tisch. Die beiden Männer tranken Bier. Sie unterhielten sich mit kräftigen Stimmen. Die Wirtin saß jetzt auch bei den Männern am Tisch.
   Achim und Gesa aßen ihr Essen. Gesa konnte nicht umhin, immer wieder zu den drei Menschen vorn am Tisch hinüberzusehen. Als sie zu Ende gegessen hatten, kam der Wirt und räumte die Teller ab. Gesa und Achim lehnten ab, als er ihnen Dessert anbot. Gesa sagte nein, Achim ja, als der Wirt einen Obstler anbot. Der Wirt kam mit der Flasche und zwei Gläsern und zeigte Achim das Etikett. "Himbeergeist", las Achim. Der Wirt goss beide Gläser voll, Gesa winkte dankend ab, doch der Wirt stellte auch ihr ein Glas hin und sagte: "Auf's Haus." Dann nickte er ihnen zu und sagte: "Wohl bekomm's." Achim und Gesa bedankten sich und hoben ihre Gläser.
   Der Wirt ging wieder zu dem Tisch vorn und goss drei Schnapsgläser voll. Der Wirt, die Wirtin und der Freund prosteten sich zu. Sie sprachen laut und angeregt. Achim und Gesa blieben noch eine Weile sitzen, dann standen sie auf und gingen nach vorn zur Tür, wo sie sahen, wie der Wirt gerade wieder die Gläser füllte. Sie wünschten den dreien gute Nacht und gingen nach oben in ihr Zimmer.

Obwohl es gerade erst neun Uhr vorbei war, legten sie sich ins Bett. Achim fing an, das Buch, das er sich vorsorglich auf den Nachttisch gelegt hatte, zu lesen, Gesa hatte sich ihr Buch aus der Handtasche geholt.
   "I read my Emily Dickinson", sang sie leise vor sich hin, als sie ins Bett stieg, "and you your Robert Frost. And we mark our place with boookmarkers ..." - sie zog die Bettdecke bis zum Kinn hoch - "... to measure what we have lost." Fast tonlos. "Was liest du?", fragte sie dann laut.
   "Kannte ich das Lied?", fragte Achim.
   Gesa sah auf. "Sicher", sagte Gesa. "Joan Baez. Vor hundert Jahren. Als wir jung und wild waren."
   "Und ich im Park Gitarre gespielt habe und wir Anti-Kriegslieder gesungen haben?"
   "Genau", sagte Gesa. Sie grinsten sich an.
   Es war noch nicht zehn, als Achim eins der Fenster auf Kippe stellte und das Licht auf seiner Seite ausknipste. Auch Gesa machte das Licht aus. Es war unglaublich still, draußen und im Haus. Sie schliefen ein. Spät in der Nacht wurden sie von einem Poltern und Stimmen, von schlagenden Türen und einem abfahrenden Auto geweckt. Danach war es wieder still.

Am nächsten Morgen regnete es nicht mehr, aber es war neblig. Am Fenster stehend betrachteten sie den Himmel, versuchten Anzeichen für ein Aufklaren zu erkennen. "Hochnebel", sagte Achim, und Gesa nickte zustimmend. "Könnte aufreißen", sagte er, während er prüfend nach oben blickte, und wieder pflichtete Gesa ihm bei.
   Sie duschten, zogen sich an und gingen nach unten in die Gaststube zum Frühstück. Die Wirtin kam aus der Küche, sonst war niemand da. Sie brachte Tee und Kaffee, Brötchen und Brot, Marmelade, Käse und Schinken.
   "Was meinen Sie", sagte Achim zur Wirtin. "Das Wetter, meinen Sie, es wird besser?"
   Die Wirtin zuckte unschlüssig die Schultern. "Könnte besser werden", sagte sie und guckte skeptisch aus dem Fenster. "Regnen wird's heut' wohl nicht."
   Nach dem Frühstück gingen Gesa und Achim in ihr Zimmer und zogen sich die Wandersachen an.
   "Jetzt die Kinder anzurufen, hat keinen Sinn", sagte Gesa, als sie aus dem Bad kam. Achim nickte zustimmend. "Die schlafen noch." Er hatte sich eine Rundtour zum Wertacher Hörnle zurechtgelegt, zu dem der Aufstieg gleich hinter der Aloisalm begann. Sie packten die restlichen Butterbrote von der Herfahrt und zwei kleine Wasserflaschen, die sie mitgebracht hatten, in den Rucksack, steckten Mützen ein, zogen Regenjacken an und gingen nach unten.
   Im Eingang stand der Wirt. Er sah unausgeschlafen und ungewaschen aus. Er fragte sie, was sie vorhätten. Er warnte sie davor, in die Höhe zu gehen, der Nebel könnte oben dichter sein, sagte er, sie könnten sich verirren, außerdem seien die Wege nach dem langen Regen schlecht. Sie versprachen ihm, vorsichtig zu sein, und gingen zum Auto, um sich die Wanderstiefel anzuziehen. Wieder setzte Gesa sich auf den Beifahrersitz, um die Schuhe zu wechseln, Achim stand am Kofferraum.
   Sie schlossen das Auto ab und gingen los. Der Einstieg war leicht zu finden. "Unser Weg hat die gelb-schwarze Raute", sagte Achim, und Gesa nickte. Es ging in Kehren bergan. Der Weg war nass, aber mit Tannennadeln bedeckt und leicht zu gehen. Sie schritten zügig aus, den Blick zu Boden gerichtet, und stiegen stetig nach oben. Nach zwanzig Minuten war ihnen warm, und sie blieben einen Moment stehen. Achim nahm die Wanderkarte heraus.
   "Vielleicht sollten wir nicht bis zum Gipfel steigen", sagte er, an die Warnung des Wirts denkend. "Wir können auch unterhalb bleiben und trotzdem einen Rundweg machen. Hier." Er zeigte ihr auf der Karte, wo sie waren und wie sie gehen könnten. "Und hier ist eine Hütte, da kommen wir vorbei, wir könnten es bis zum Mittag schaffen. Vielleicht ist sie ja bewirtschaftet."
   Gesa sagte: "Das sieht doch gut aus."
   Achim steckte die Karte wieder ein, und sie gingen weiter. Jedesmal, wenn sich der Weg gabelte oder ein anderer Weg kreuzte, suchten sie die schwarz-gelbe Raute, überprüften die Richtung anhand der Karte und gingen weiter. Sie waren froh über die guten Markierungen. Inzwischen hatten sie ein ihnen genehmes Tempo gefunden. Der Weg führte durch dichten Wald, nirgendwo hatten sie Aussicht, die Bäume waren vom Regen dunkel und nass. Der Nebel blieb, er hing in den Baumwipfeln, es war windstill, doch die Luft war klar und würzig, und um sie herum war es still, von gelegentlichen Vogelrufen und knackenden Zweigen abgesehen.
   Gegen Mittag erreichten sie die Hütte, und sie war, wie sie gehofft hatten, bewirtschaftet, was bestimmt daran lag, wie sie sich gegenseitig bestätigten, dass eine unbefestigte Straße bis unmittelbar vor die Tür führte. Auf dem Schotterplatz neben der Hütte standen drei Autos, ein viertes kam gerade den Fahrweg hoch.
   Achim und Gesa gingen in die Hütte, setzten sich und bestellten zweimal Bockwurst mit Kartoffelsalat, eine Apfelsaftschorle und ein Gespritztes. Der Gastraum war dunkel und karg. Außer ihnen waren noch ein paar Männer da, die Männer von den Autos draußen, sie tranken Bier und rauchten. Die Unterhaltung ging stockend, doch wenn die Männer sprachen, waren ihre Stimmen laut und dröhnend.
   Achim legte die Wanderkarte auf den Tisch, und sie beugten sich gemeinsam darüber. "Wir müssen noch über diese Höhe, und danach geht es wieder runter, zur Aloisalm", sagte Achim. Sein Finger fuhr den Weg nach, gleichzeitig verdeckte seine breite Fingerkuppe die Linie auf der Karte.
   Nach dem Essen bezahlten sie und gingen. Sie fanden ihre Wegmarkierung und schlugen den leicht ansteigenden Pfad ein. "Wenigstens regnet es nicht", sagte Achim. Gesa nickte. Der Weg führte durch den Wald und war so breit, dass sie bequem nebeneinander gehen konnten. Sie gingen schweigend. Der Berg stieg rechts von ihnen an, er schien nicht steil
   Plötzlich hörte der Wald auf, und sie standen am unteren Rand eines Kahlschlags. Die Hügelflanke über ihnen war völlig verwüstet, überall Baumstümpfe, Äste und Gestrüpp, an den Rändern war das Erdreich von Raupenfahrzeugen aufgewühlt, in den Kuhlen stand schlammiges Wasser, die geschlagenen Baumstämme lagen teils wild über den Hang verteilt, teils waren sie am unten am Wegrand aufgeschichtet.
   Achim und Gesa standen an der unteren Ecke des Hügels und betrachteten stumm das gespenstische Bild. Dann sagte Achim: "Es hilft nichts. Eigentlich geht der Weg quer rüber, aber wir müssen außen entlang." Er zeigte mit dem Arm die Richtung an. Gesa folgte mit ihrem Blick seinem Arm, der zu dem schlammigen Rand zeigte, an dem sie steil bergauf gehen mussten. Achim sagte: "Eine Viertelstunde, dann sind wir oben", und stapfte los.
   Es war ein mühsames Gehen. Bei jedem Schritt sackten sie ein, und nach wenigen Metern klebten dicke Schlammbrocken an ihren Stiefeln wie Gewichte. Sie wichen aus, wo Pfützen standen, stiegen über querliegende Äste, traten auf spitze Zweige, an denen sie sich verhakten.
   Nach einer Viertelstunde blieben sie stehen. Sie hatten vielleicht ein Drittel des Anstiegs geschafft. Mit einem kräftigen Zweig versuchten sie, den Schlamm von den Stiefeln zu streifen. Doch kaum waren sie weitergegangen, hingen wieder große Brocken Lehm an den Sohlen. Achim ging voran, und Gesa prüfte bei jedem Schritt, ob sie ihm bei der Umgehung eines Hindernisses folgen oder anders gehen sollte. Es war glitschig und gefährlich, jeder Tritt erforderte eine Entscheidung.
  Plötzlich glitt Gesa aus. Sie konnte sich gerade noch mit der linken Hand abstützen und den Fall abfangen. Aber ihre Hand sackte tief in den Schlamm. Sie zog sie heraus und fluchte. Achim blieb stehen und sah sich um. Gesa hielt anschuldigend die schlammtriefende Hand hoch. Mit der anderen suchte sie ein Taschentuch.
   "Lass sie trocknen, dann lässt es sich abreiben", sagte er. Er drehte sich um und ging weiter. Auch Gesa ging weiter. Sie hielt den Arm mit der schmutzigen Hand vom Körper abgewinkelt, wodurch es noch schwieriger wurde, das Gleichgewicht zu halten. Sie keuchte jetzt vor Anstrengung. Auch Achim war vom Steigen außer Atem, stapfte aber unverdrossen weiter.
   Endlich kamen sie oben an, mussten dann aber über mehrere querliegende, vom Regen glitschige Stämme steigen, um zur Fortsetzung ihres markierten Weges zu gelangen. Mühselig zogen sie bei jedem Schritt ihre vom Schlamm schweren Stiefel aus dem feuchten Boden. Unter ihren regenfesten Jacken waren sie schweißgebadet.
   Dann lag der Kahlschlag hinter ihnen, sie hatten wieder festen Waldboden unter den Füßen, sie streiften ihre Stiefel an Steinen am Wegrand ab und säuberten sie so gut es ging. Langsam kamen sie wieder zu Atem. Fast eine Stunde hatten sie für das Wegstück gebraucht.
   Sie gingen weiter auf dem mit der schwarzgelben Raute markierten Pfad. Jetzt kamen sie wieder gut voran, der Waldboden war elastisch, der Schlamm trocknete nach und nach und fiel von ihren Stiefeln ab, und auch von Gesas Hand bröckelte und rieselte es, wenn sie die Finger spreizte und anzog und wieder spreizte.
   Nachdem sie noch eine Stunde gegangen waren, auf einem Weg, der allmählich bergab und weiterhin durch den Wald verlief, erreichten sie das obere Ende des Kehrenwegs, über den sie am Morgen den Aufstieg begonnen hatten. Im Zickzack ging es jetzt zur Aloisalm hinunter, und als sie auf dem Fahrweg ankamen, gingen sie als erstes zum Parkplatz, wo ihr Auto stand, um die Schuhe zu wechseln.
   Sie zogen die Bergstiefel aus und die Straßenschuhe an, dann suchten sie sich kleine Zweige und begannen, den Lehm aus den Profilsohlen der Stiefel zu kratzen. Sie schlugen die Schuhe aneinander, doch der Lehm war feucht und ließ sich nicht abklopfen. Achim stellte die halbwegs gereinigten Stiefel im Kofferraum auf die Zeitung, die noch vom Vortag da lag. Sie schlossen das Auto ab und gingen ins Haus und die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Es dämmerte schon. Den ganzen Tag war der Hochnebel nicht abgezogen, und jetzt fiel die Dunkelheit ein.
   Achim schloss auf, sie gingen ins Zimmer. Die Betten waren gemacht, das Fenster war geschlossen, und im Zimmer roch die unbewegte Luft nach den Möbeln, nach dem Teppichboden und dem kalten Rauch früherer Gäste. Achim ging zum Fenster und kippte es. Gesa blieb in der Tür stehen und sagte: "Ich guck mal, ob ich Kaffee bekommen kann." Achim drehte sich halb um und nickte wortlos.
   Nach zehn Minuten kam Gesa ins Zimmer. Sie hatte die Tür mit dem Ellbogen aufgedrückt und trug in den Händen ein Tablett, das sie aufs Bett setzte. "Ich musste die Wirtin erst suchen, aber zum Glück war der Kaffee schon fertig." Sie stellte das Tablett auf den Nachttisch auf ihrer Seite und wedelte mit der linken Hand. "Ich wasch mir erst mal die Hände", sagte sie und verschwand im Bad.
   Danach saßen sie auf den Betten und tranken Kaffee und aßen von den Broten vom Vortag. In dem Proviantpaket war auch eine halbe Tafel Schokolade, die sie sich jetzt teilten. Gesa klappte ihr Mobilfon auf und wählte aus dem Speicher ihre Nummer zu Hause. Lange Zeit ging niemand dran. Gesa mimte Ungeduld und tippte sich mit zwei Fingern aufs Bein. Schließlich ging doch jemand dran. Corinna. Sie war einsilbig, kurz angebunden. "Offenbar habe ich sie gestört", sagte Gesa, "aber anscheinend ist alles in Ordnung. Betty und Jonas sind zu Hause, aber sie hatten keine Lust, mit mir zu sprechen. Sie gucken gerade was im Fernsehen. Irgendeine Soap." Gesa zuckte die Schultern, klappte das Mobilfon zu und steckte es ein.
   Sie legten sich, jeder auf seine Seite, aufs Bett, nahmen ihre Bücher und lasen. Nach kurzer Zeit schlief Achim ein, das Buch fiel ihm auf die Brust. Gesa las noch eine Weile, doch dann wurde sie auch schläfrig, sie ließ das Buch sinken und schlief ein.
   Kurz darauf stand Achim auf und ging ins Bad. Auf dem Weg sagte er zu Gesa, die von der Bewegung aufgewacht war: "Ich dusche jetzt."
   "Ist gut", sagte Gesa. Ihr war kühl, durch das gekippte Fenster strich ein frischer Luftzug, und sie stand auf, zog sich die langen Hosen aus und legte sich unter die Bettdecke. Sie nahm wieder ihr Buch, schlug die Seite auf und las. Kurz darauf hörte sie das Wasser im Bad.
   Achim stand in der Dusche und ließ sich den heißen Strahl über den Körper laufen. Er seifte sich mit Duschgel ein und drehte und wendete sich so, dass das Wasser mal über die eine, mal über die andere Schulter floss. Er verrieb das Duschgel überall, bis Schaum entstand, spülte es wieder ab und blieb auch dann noch stehen, als das Wasser klar über seinen Körper lief. Er stand dem Strahl zugekehrt und reckte und streckte sich unter dem warmen Wasser. Nach einigen Minuten nahm der den Duschgriff aus der Halterung, setzte sich in die Hocke und hielt den Brausenkopf so, dass ihm das Wasser heiß über Rücken und Brust lief. Nach geraumer Zeit, in der ununterbrochen das Wasser gelaufen war, stand Gesa auf und machte leise die Tür zum Bad auf. Durch den heißem Wasserdampf, der den kleinen Raum füllte, erkannte sie undeutlich Achims hockende Gestalt auf dem Boden der Duschwanne. Regungslos kauerte er dort mit geschlossenen Augen, den Kopf in den Nacken gelegt, unter dem warmen Wasserstrahl. Die Dampfschwaden umwaberten ihn. Leise machte Gesa die Tür wieder zu. Ihr war kühl, und sie legte sie sich wieder unter die Bettdecke, las aber nicht, sondern blickte leer zum dunklen Fenster hinüber.
   Viele Minuten vergingen, in denen das Wasser rauschte, schließlich wurde es abgestellt. Achim trocknete sich ab und kam ins Zimmer. Hinter ihm schwappte ein Schwall warmer Wasserdampf aus dem Bad. Er zog sich an und sagte: "Es ist halb sieben, lass uns essen gehen."
   "Von mir aus", sagte Gesa und stand auf. Sie nahm sich die Ersatzhose aus der Reisetasche und zog sie an. Sie kämmte sich die Haare, frischte den Kajal auf und malte sich die Lippen an. Kastanienrot. "Wollen wir wieder hier essen?", fragte sie.
   "Ist doch am leichtesten. Wer weiß, ob wir unten im Ort ein Restaurant finden, das weniger trostlos ist."
   "Na, gut." Gesa zuckte die Schultern und zog sich die Schuhe an. Achim steckte sich das Hemd in die Hose und machte den Verschluss zu, dann zog er sich den Pullover über den Kopf. Anschließend fuhr er sich mit den Händen durch die Haare. "Soll das als gekämmt gelten?", fragte Gesa und versuchte ein Lächeln. Er verzog den Mund, vielleicht war es ein Grinsen.
   Sie gingen aus dem Zimmer, Achim schloss ab.
   Im Gastraum zeigte sich das gleiche Bild wie am Abend zuvor: Der Raum war menschenleer, bis auf den Wirt, der am ersten Tisch saß. Vor ihm stand ein halb geleertes Glas Bier. Er begrüßte sie. Seine Augen waren gerötet. Er schien erfreut, sie zu sehen.
   "Haben Sie eine Tour gemacht?", fragte er neugierig. Achim erzählte ihm, wie sie gegangen waren, dass sie die Höhe gemieden hatten, und dass sie den Tag bei trübem, aber immerhin trockenem Wetter verbracht hatten. Ja, die Wege seien recht gut gewesen, sagte er auf eine Frage des Wirts. Die Episode mit dem Kahlschlag sparte er aus.
   Gesa strebte schon zu dem Tisch, an dem sie am Abend zuvor und beim Frühstück gesessen hatten, Achim folgte ihr, und sie setzten sich.
   Die Wirtin kam zu ihnen, sie bestellten die gleichen Getränke, wie am Abend zuvor und versenkten sich in die Speisekarte. Würstchen, Schnitzel oder ein halbes Hähnchen, alles mit Pommes Frites und Salat - darin erschöpfte sich das Angebot. Sie bestellten Schnitzel und Hähnchen, wie am Abend zuvor, nur umgekehrt. Die Wirtin nahm die Bestellung auf und verschwand in der Küche.
   Wieder spürten Achim und Gesa Befangenheit in der beklemmende Leere des großen Gastraums, und ihr Gespräch war nichts als ein Stocken und Stolpern von Satz zu Satz. Den nächsten Tag erwähnten sie, wie in geheimer Absprache, nicht, sie machten keine Pläne für den Morgen.
   Sie tranken schnell und bestellten nach, hatten schon wieder ausgetrunken, bevor sie die Mahlzeit gegessen hatten, und bestellten noch einmal Getränke. Warum auch nicht? Nach so einem Tag. Und dann redeten sie. Was für ein Tag! Und waren plötzlich entspannt und gelöst, ganz vertraut miteinander. Sie sprachen über alles, was nicht so gewesen war, wie sie es sich vorgestellt hatten. Das Wetter, die Unterkunft, die Wanderung. Der Wirt. Und der entsetzliche Kahlschlag, diese Sünde am Wald, wie Achim es nannte. Sie redeten leise und waren sich einig in ihrer Enttäuschung. Bald hatten sie wieder die Gläser geleert.
   Wie am Vortag kam der Wirt zu ihrem Tisch und goss ihnen einen Obstler ein. Sein Freund war nicht da, und es sah so aus, als hätte er sich gern zu ihnen gesetzt, aber weder Achim noch Gesa machten Anstalten, zur Seite zu rücken, und so blieb der Wirt an ihrem Tisch stehen, bis sie ausgetrunken hatten, bot ihnen an, die Gläser noch einmal zu füllen, und als sie ablehnten, wünschte er ihnen eine gute Nacht und ging.
   Es war halb neun, als Achim und Gesa aufstanden und in ihr Zimmer gingen.
   Sie putzten sich die Zähne und zogen sich die Nachthemden an. Sie legten sich in die Betten und nahmen wieder ihre Bücher. "... to measure what we have lost", sang Gesa wie zur Erinnerung. Achim reagierte nicht. Er legte sich ins Bett, stopfte sich das Kissen in den Rücken und las.

Am nächsten Morgen war es hell. So hell, dass sie beim Aufwachen wussten, es musste ein klarer, sonniger Tag sein. Achim ging zum Fenster und sah zum Himmel hinauf. "Kein Wölkchen", sagte er, "strahlend blau."
   Er ging ins Bad, und als er fertig war, ging Gesa ins Bad.
   Nach dem Duschen kam sie ins Zimmer und sah, dass Achim seine Tasche gepackt hatte und gerade den Wecker in die Seitentasche steckte.
   "Was hast du vor?", fragte sie ihn.
   "Lass uns abfahren", sagte Achim. "Ich werde noch ganz depressiv hier."
   "Ist gut", sagte Gesa. Sie fing an, ihre Sachen zusammenzulegen.
   Noch vorm Frühstück brachten sie ihre Taschen zum Auto und stellten sie in den Kofferraum. Nach dem Frühstück, bei dem sie an dem gleichen Tisch wie bei den anderen Mahlzeiten auch gesessen hatten, ging Achim zu der Wirtin und bat um die Rechnung. Die Wirtin wirkte erstaunt, rechnete dann aber aus, was sie schuldeten, und kassierte. Achim und Gesa verabschiedeten sich, gingen zum Auto und fuhren los. Ihr Aufbruch hatte etwas von Flucht.

Sie fuhren durch sonnenbeschienene Landschaft. Sie fuhren durch Ackerland und Obstfelder. Äpfel und Birnen hingen reif und golden an den Bäumen. Auf den Feldwegen und den Straßen fuhren Trecker zur Obsternte, an manchen waren die Anhänger schon hoch beladen. Das Land barst mit den Früchten des Sommers.
   "'... und voll mit goldenen Birnen das Land in den See...'", dachte Gesa. Sie sagte nichts. Sie kommentierte nicht die Schilder, auf denen stand: "Äpfel - diverse Sorten", oder: "Gravensteiner - für Selbstpflücker." Sie wies nicht auf die Schönheit der sich wellenden Landschaft, des im Sonnenschein glitzernden Sees hin.
   Auch Achim sprach nicht. Er fuhr schnell, den Blick stur auf die Straße gerichtet. Wenn er den Gang wechselte, vermied er es, Gesas Knie zu berühren.
   Sie fuhren in den Mittag hinein, aber keiner sagte etwas von Anhalten und Pause machen. Achim fuhr weiter, schweigend, verbissen. Langsam versank die Nachmittagssonne vor ihnen. Auf der Landschaft, auf dem See zur linken, auf den Bäumen und Häusern, auf den Autos funkelte das späte Sonnenlicht und brachte die Welt zum Leuchten. Es schien direkt durch die Windschutzscheibe ins Auto hinein.
   Achim klappte die Sonnenblende herunter und fuhr mit zusammengekniffenen Augen weiter.