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Alexander Rolf Meyer

Alexander Rolf Meyer

aus: „Goldene Hengste“ | Gedichte



der schnelle atem der stadt
geht über uns
und beschleunigt unsren gang
wir bleiben in bewegung
verschieben uns durch röhren
drehen endlosschleifen
über brücken und plätze
blinzelnd unter dem starren blick
der überwachungskameras
immer auf der suche
nach dem bass
nach flüssigem bernstein im glas
nach innenbleuchtung

wir treiben weiter
zwei schritte vor, anderthalb zurück
und einen zur seite
torkeln über den tanzboden
kreisen unter der nadel
die uns in schwingung bringt
die rillen in uns gräbt
der schnelle atem
der stadt geht über uns
rolltreppen und fahrstühle
heben uns empor, dorthin
wo die luft knapp wird

wir sind nachtschwärmer
teilchenbeschleuniger
ballen die faust, wachsam
schlagen die augen nieder
reiten goldene hengste
den augenhintergrund
mit plakaten zugeklebt
sind immer auf der suche
nach dem ozean
dessen geruch da draußen hängt
zwischen den häusern
denn schließlich sind das möven
die dort durch den himmel taumeln
also gibt es noch hoffnung