Literaturpreise-Hamburg.de

Eva Bonné
Ferdinand Leopold
Nicolai von Schweder-Schreiner
Ada Dorian
Maria Regina Heinitz
Finn-Ole Heinrich
Susanne Höbel
Sven Lange
Alexander Rolf Meyer

Alexander Rolf Meyer

aus der Jurybewertung


`denn schließlich sind das möwen/die durch den himmel taumeln/also gibt es noch hoffnung/

Nach Lektüre der Gedichte von Alexander Rolf Meyer möchte man daran zweifeln, ob es wirklich noch Hoffnung gibt. Schauplatz ist die Großstadt, fast immer ist es Nacht, und auch die Protagonisten scheinen zu taumeln. Sie wanken von Bar zu Bar, von Tanzfläche zu Tanzfläche, getrieben von einer vagen Hoffnung auf Erlösung. Im Alkoholnebel regen sie sich auf über die „gesichter, die sich nicht abheben vom grausamen beige der tapete“, und sind doch selbst Teil der oberflächlichen Welt mit Überwachungskameras und Werbeplakaten, die sie so verachten. Unversehens wird ihr eigenes Leben zur Soap Opera im Fernsehen, hören sie sich reden wie Politiker (er redete von wahrer liebe und weltfrieden/er sah seine fresse und wusste er log/). Und wenn sich die Welt ganz selbstständig macht, machen Autos Jagd auf Menschen, werden die Silberscheiben der digitalen Welt zu Ufos, die die Zivilisation bedrohen. Alexander Rolf Meyer verbindet formal unterschiedliche Einflüsse, wechselt freien Vers ab mit klassischer Ballade, lässt Verse klingen, als seien sie mit einem Hip-Hop-Beat unterlegt. Dabei weiß er aber auch mit Motiven der klassischen Kunst umzugehen: Die griechische Göttin Diana greift zum Kajalstift statt zum Speer, geht auf der Tanzfläche zur Jagd und taxiert ihr Wild mit Blicken. Allen Ginsberg, William Burroughs und Jorge Luis Borges stehen Pate für Texte, aber der Autor verwendet gleichrangig Bilder und Motive aus der Popkultur, sättigt seine Gedichte mit Anspielungen auf Film, Fernsehen und Werbung. Und schafft damit einen beunruhigenden Soundtrack zur Gegenwart, der nachhallt.“