Literaturpreise-Hamburg.de

Eva Bonné
Ferdinand Leopold
Nicolai von Schweder-Schreiner
Ada Dorian
Maria Regina Heinitz
Finn-Ole Heinrich
Susanne Höbel
Sven Lange
Alexander Rolf Meyer

Ferdinand Leopold

aus der Jurybewertung


„Der rumänische Dichter, Philosoph und Diplomat, auch Lessing- und Goethe-Übersetzer, Lucian Blaga (1895-1961) ist im Deutschen so gut wie unbekannt. Das Erkennen beginnt mit den Übersetzungen durch Ferdinand Leopold. Blaga, der 1949 von seinem Lehrstuhl für Philosophie in Klausenburg durch marxistische Einfalt verdrängt wurde, konnte bis zu seinem Tod 1961 nichts mehr verlegen. 1965 war er für den Nobelpreis nominiert, die rumänische Regierung protestierte heftig. Heute tragen die Universität in Hermannstadt seinen Namen und rumänische Geldscheine sein Konterfei.
Aus frühen Wiener Jahren mit Rilke, George, aber auch mit Expressionisten wie Trakl und Däubler vertraut, ist Blagas Dichtung doch mehr von philosophischen Spiegelungen geprägt: Kant, Schopenhauer und Spinoza bis hin zu Bergson, Nietzsche und Klages. Sucht er im Philosophischen nach „luziferischer Erkenntnis“, ist auch seine Dichtung von „urschöpferischer“ Schwere im Zeichen von Mythos und Symbol geprägt. Dualistische Hell-Dunkel-Vorstellungen, ein vorchristliches Verständnis von Natur und Universum durchziehen sein Werk. So wie der Expressionismus ohne Stefan George schwer denkbar wäre, bliebe die moderne rumänische Lyrik ohne Lucian Blaga ihrer metaphysischen Morgenröte beraubt. Der Agnostiker Blaga zeigt sich in Jamben und Trochäen.
Das alles sei erwähnt, um das Gewicht des Übersetzers bei der Auflösung dieser weißen Flecken hervorzuheben, mit dem in diesem Fall nicht nur den Abstand zwischen den Sprachen, sondern auch zwischen den Zeiten zu überspringen ist. Übersetzen bleibt für Ferdinand Leopold ein Beleben und Prüfen von Worten. Es ist ihm nicht möglich, etwas von Wert, und sei es ein noch so entlegenes Wort, zu verschleudern oder zu entstellen. Er befreit Worte und Wendungen aus vergangener Bildungswelt, aus verlorener Kenntlichkeit, immer bemüht, weder dem Halbdunkel der Metapher noch dem Feuer des Pathos zu erliegen. Das Bild herrscht vor der Kausalität, man kommt einem Ursprung nahe. Im schlaf mein blut wie eine woge / zieht sich aus mir / zurück in die Eltern. Verse wie diese sind zu retten vor dem Wortinnenraum eines Sigmund Freud, wie vor dem eines Richard Dawkins. Ferdinand Leopold ist mitten auf dem Wege, der Übersetzerpreis möge ihn bestärken.“