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Dietrich Machmer

aus: „ist die liebe hungrig, frisst sie grenzen“ | Gedichte


zeit verwundet alles heile
wie die analogen alten schon morgens
fernsehen am offenen herzen
menschenblind die erscheinung der dinge
beschreiben wenn keiner da ist sie zu sehen
träumen von sehenswürdigkeiten in der hand
den gutschein für ein erlebnis ihrer wahl
im ermüdungsbecken wachgeküsst
den spiegel ablecken bevor man sich betrachtet
im hautzelt alle knochen neu eingespannt
einen fahrenden zug besteigen autoreifen
auf vorbeirasenden feldern säen
den augensprengenden anblick
eines unabsehbaren himmels
genießen ein mal noch
dem meer unter die wellen fassen
ob es nass ist nur wasser
verliert keine zeit

die schönheit des alleinseins
als es noch leben vor dem tod gab
was waren das glücksgefühle
schon zum frühstück seltene additive
man trank raketentreibstoff die ganze nacht
erkannte darin die schönheit des alleinseins
bis es in einem (einem) nichts erkennbares mehr gab
dann drehte man ab hing leicht in den winden
von westen einfallende heliumcowboys
hütete man im jenseits
grasende kühe

es singt das licht
sie sagt sie sei
die folge einer gasthausrauferei
tochter der traube
kind des vernebelten blicks
ihr vater sagt sie seien alle
und die erregung
bis heute so greifbar
dass bei jedem glas
sie selbst zu zerspringen
angst noch habe