Literaturpreise-Hamburg.de

Ursel Allenstein
Ingo Herzke
Susanne Höbel
Isabel Bogdan
Alexander Häusser
Karen Köhler
Dietrich Machmer
Ulrich Koch
Inga Sawade

Dietrich Machmer

aus der Jurybewertung


„Ein draufgängerisches Spiel mit Ambivalenzen und Sprachbildern, die auf den zweiten Blick durch virtuose Sinnverschiebungen mehr als nur ein leichtes Unbehagen stiften – Dietrich Machmers Gedichte erzeugen Widerhall.
In ihnen finden sich Schilderungen von Körpern, die überall im Weg sind und nur in zerstörter Form ertragbar scheinen. Tänzelnde Hollywoodstars treffen auf backfischartige Resonanz, lästige Lieben und der heikle Umgang mit ihren Ausgeburten werden verhandelt, irgendwo zwischen Lakonie und Redelust. Emotionen verkommen mal zu Gefühlsfossilien, mal als faule Munition zu unverwertbaren Kampfwaffen, und Sexualität tritt selbst in der Rhetorik einer szientifischen Analyse als Last auf.
Themen um Unrast, Wut und Verunsicherung mischen sich unaufhörlich zwischen die Textzeilen und machen ein wenig Radau auf der Bühne des Lebens im Hier und Jetzt, denn „was soll man auf dauer mit ewigem anfangen“. Mitunter wird auch innegehalten, die sprachliche Schnappatmung setzt aus und Motiventlehnungen aus Ideen- und Zeitgeschichte rücken als Denkrahmen an: Das Cartesianische Diktum, bereits mediengebeutelt zum Schauen verdammt, wird zur trotzigen Apotheose des Schlafens verkehrt – doch der radikale Zweifel bleibt. Einen Wust an Neologismen schulternd, was keineswegs anstrengt, sondern herausfordert, weisen die Gedichte in ihrem Zwitterstadium zwischen Taumel und Nüchternheit vorausdeutend selbstreflexive Züge auf und „vielleicht/ ist es nur ein trugschluss/ den traum zur kunstgattung/ erklären zu wollen/ aber er widerlegt sich/ jene nacht neu“.
Ein Nachgeschmack bleibt, dessen Aroma offen.“