Literaturpreise-Hamburg.de

Ursel Allenstein
Ingo Herzke
Susanne Höbel
Isabel Bogdan
Alexander Häusser
Karen Köhler
Dietrich Machmer
Ulrich Koch
Inga Sawade

Inga Sawade

aus der Jurybewertung


„Pikareske Kürzestgeschichten legt Inga Sawade vor, in denen Aspekte von Vergänglichkeit auf eindrucksvolle Weise verdichtet werden. Der Fluss der Zeit scheint unter dem Zeichen der Verknappung wie in Bilder gebannt, sodass Sprachtableaus entstehen, die sich durch eine komplexe Form von Gleichzeitigkeit auszeichnen, statt literarischen Gesetzen der Linearität zu folgen. Die eigenwilligen Narrative, welche freigesetzt werden, drehen sich hierbei nicht nur galant um die eigene Achse, sondern brechen aus in surrealistische Settings und infantile Phantasien, um danach abrupt zu enden.
Die den Rahmen setzende Ich-Erzählerin präsentiert Elterngeschichten als Erinnerungen an vergangene Leben: Man möchte sie gern Mnemosyne nennen, diese Stimme, welche das Erzählen als Grundlange zum Über-Leben nutzt, dabei Eigen- und Fremdperspektiven miteinander verwebt, Realitätsebenen austauscht und anhand von „zitternden Blasen“ und „lächelnden Bildern“ nicht selten ins Traumhafte verfällt.
Immer wieder setzen (erwartbar, doch zugleich raffiniert) Todesreflexionen ein und ziehen sich als Hauptmotivik durch alle Erzählungen. Kindliche Abhängigkeit, die beunruhigende Fremdheit der eigenen Lebenslinien oder die Ausgrenzung des Alters aus der Gesellschaft – all diese Themen werden spielerisch paradoxiert, als selbstverständliche Kuriositäten gezeichnet, nie steril, nie larmoyant, ohne in Lösungen münden zu wollen.“