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Jo Berlien

aus: Bondincus | Kurzgeschichte


Im Bodenlosen See, einem düsteren Weiher seiner Kindheit, versteckt gelegen in einem dichten Tannenwald, an diesem verwunschenen Ort, war ein Kloster versunken im Sumpf, ein sündiges Kloster. Die Nonnen hatten Unzucht getrieben mit dem Teufel, gefickt hatten sie mit dem Ziegenbock; mit Salz rieben sie sich ein, und der Bock leckte das Salz, sie rieben sich an ihm, dem rauen Fell, stellten sich bockbeinig auf, ließen sich vom Bock besteigen. So erzählten es die Leut’, so ging die Legende vom untergegangenen Kloster, vor vielen hundert Jahren versunken im Bodenlosen See. Von Bondincus hieß es, er sei im Gefängnis gewesen, er hätte schon einen umgebracht, den Liebhaber seiner Frau; andere wussten es besser: Sein Mädchen habe er getötet, aufgeschlitzt mit dem Schwert, aufgelauert habe er ihr und ihrem Liebhaber, das war Tatsache oder eine Rummellegende, eine Geschichte, die man schnell einem anhängt, aber nicht jedem zutraut. Ihm schon. (…)