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Judith Sombray

Judith Sombray

aus: „Maria-Louisen Ecke Dorotheen“ | Gedichte


Dein Anrufbeantworter
ist der einzige auf der Welt
Nach der Ansage kann man hören
wie sich ein Pulsschlag erhöht


die Vögel machen ein Morgengeräusch
darauf wie erschrocken, dass sie noch da sind
in der Nacht nehme ich dir Botschaften auf

das dunkle Band nach dem Pfeifton deine Katzen
lauschen andächtig wie ich Wortketten bilde
damit du sie dir morgens umlegen kannst

zum Gesang der Amsel

Hamlet/Ophelia

Ich will von dir schwärmen
wie von einer Bouillabaisse
weil man sie so schön aussprechen kann
und zwischen den Lippen bewegen
wie dich, wie deine Glieder
beim Gehen den geweiteten Schlagadern
hinterher nach oben streben
wie dir ein Nebel auf der Stirne steht:
erhitzt bis in die Kellerräume
zieht dein roter Mund Fäden
wie ein Fest in den Augenwinkeln
der Schalk

Maria-Louisen Ecke Dorotheen

In diesen schlaksigen Kindersommern
hochaufgeschossene Münder vor uns hertragend
die Flügel gefaltet
im Schleckmuschelhimmel
ließen wir nicht ab voneinander
zu singen im rauschenden Gras
an apokalyptisch blauen Becken
in Cirruswolkenbäuchen

Ihr schriebt auf eure Strohmatten, ihr schriebt:
1 Paar Espadrillos, Fliegensummen,
1 Nektarine auf den warmen Nachtbeton

Es regnete Zelte in unsere Gärten
und unsere aufgefalteten Hände
sammelten Badehosen von der Leine
und ließen sie fliegen