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Stefan Beuse

aus: Das Wunder, das wir wären | Roman


»Was glaubst du?«
Penny hielt den Stein direkt vor die Sonne.
»Was glaubst du, wie viel Karat sind das?«
Sie betrachtete die Einschlüsse. Kleine Bläschen, winzige Kratzer in einem sattgrün strahlenden Meer.
Einschlüsse bedeuten nicht immer eine Wertminderung, hatte ihr Vater gesagt. Sie verleihen dem Stein oft erst seine Einzigartigkeit.
Penny drehte den Smaragd vor dem Licht. Er wog schwer in der Hand und wies ein lebhaftes Feuer auf.
»Was meinst du, was ist der wert?«
Sie zog einen Ärmel ihres Kleides über die Hand, befeuchtete das Stück Stoff über ihrem Zeigefinger und polierte damit eine Stelle, die stumpf geworden war von der Erde.
»Meinst du, wir sind jetzt gemachte Leute?«
Tom stieß Luft durch die Nase.
»Gemachte Leute.«
Er warf einen flüchtigen Blick auf das, was sie in der Hand hielt.
»Das ist Glas, Penny. Wahrscheinlich von einer Vase.«
Seine Schwester kniff ein Auge zu, wie ihr Vater, wenn er am Werktisch saß und die Lupe vor das andere Auge klemmte.
»Sieh dir das an.«
Sie bewegte den Stein so langsam, dass jede Facette einzeln aufblitzte.
»Das ist ein echtes Prachtstück.«
Grünes Licht zitterte über ihr Gesicht, und Tom musste an dieses Bild aus der Kinderbibel denken: Eva im Paradies. Die erste Frau der Welt stand lächelnd in einem Kornfeld, das genauso gelb leuchtete wie der Ginster hinter Pennys Kopf. Sie lächelte etwas an, das sich außerhalb des Bildes befand, und Penny hatte immer wissen wollen, was das war.
Adam natürlich, hatte Tom gesagt, ohne einen Witz machen zu wollen. Wer denn sonst.
Ihn selbst hatte immer bloß interessiert, wie das Kornfeld ins Paradies gekommen war. Er glaubte nicht, dass Adam und Eva so viel Getreide brauchten, dass sie gleich ein ganzes Feld davon anlegen mussten. Und Gott erschuf nur die wichtigen Dinge. Den Himmel. Das Meer. Aber bestimmt keine Kornfelder.
Ach, die Bibel, hatte ihr Vater erklärt. Die Bibel ist so eine Art Märchenbuch. Man muss das alles nicht immer so wörtlich nehmen.
Das Korn steht für etwas anderes, sagte ihre Mutter. Die Bibel ist voller Bilder, die weit mehr bedeuten als das Offensichtliche.
Dass das Buch voller Bilder war, sah Tom selbst. Aber seine Mutter meinte gar nicht die Zeichnungen. Sie meinte etwas, das überhaupt nichts mit gemalten Bildern zu tun hatte, und Tom fand das anstrengend. Er verstand nicht, warum seine Mutter Dinge sagte, die sie nicht meinte. Er verstand nicht, warum in der Bibel Sachen standen, die eigentlich etwas anderes bedeuteten. Und er verstand auch nicht, wieso er, nur weil seine Schwester vor einem Ginsterbusch hockte, an dieses Bild vom Paradies denken musste.
Immer weiter tanzte das grüne Licht über ihre Haut. Penny blinzelte an dem Glas vorbei in die Sonne und kniff die Augen zusammen.
»Hör auf damit.« Tom drückte ihre Hand mit dem Klumpen darin nach unten. »Davon kriegst du ein Loch in der Netzhaut.«
Penny schüttelte seine Hand ab und legte den Stein in den Schoß, auf den Stoff ihres Kleides, der zwischen den Oberschenkeln eine Mulde bildete.
»Loch in der Netzhaut, Loch in der Netzhaut.«
Sie schloss die Augen. Rote Flecken tanzten vor ihren Lidern. Ihr war schwindelig, wie nach einer langen Schiffsfahrt.
»Dafür ist die doch viel zu weit weg.«
»150 Millionen Kilometer«, sagte Tom. »Das ist nichts. In kosmischen Dimensionen ist das gar nichts.«
Dass 150 Millionen Kilometer in kosmischen Dimensionen gar nichts waren, hatte er aus der Welt der Wissenschaft. Die Welt der Wissenschaft lag immer auf dem Couchtisch bei ihnen im Wohnzimmer, und manchmal, nach der Schule, las Tom heimlich darin. Er legte sich dann aufs Sofa, wie sein Vater, wenn er Feierabend hatte. Tom zog die Schuhe aus, vergrub seine Füße unter dem mittleren Sitzkissen, schlug die Welt der Wissenschaft auf und sagte am nächsten Morgen: Wusstet ihr, dass Mikroorganismen etwa 70% des gesamten Lebens auf der Erde ausmachen? Dass es mindestens 2 bis 3 Milliarden verschiedene Arten davon gibt?
Sein Vater sah ihn verblüfft an, weil er Tom für viel zu jung hielt, um die Welt der Wissenschaft verstehen zu können. Das ist noch zu komplex für dich, sagte er. Das erklär ich dir, wenn du groß bist.
Trotzdem sind davon bisher weniger als 0,5% überhaupt entdeckt und klassifiziert worden, ergänzte Tom.
Ganz langsam, dicht über seinen Teller gebeugt, begann sein Vater zu nicken, und Tom wusste, dass er etwas geschafft hatte.
Seine Mutter setzte die Tasse ab.
Ja, findet ihr das nicht unglaublich?, fragte sie. Wie wenig wir eigentlich wissen?
Tom war aufgesprungen, hatte sich seine Schultasche geschnappt und war nach draußen gerannt. Er wusste nicht, was genau ihn so aufgebracht hatte, aber es war dieselbe Art von Wut, die er jetzt auch seiner Schwester gegenüber empfand.
»Weißt du eigentlich, wie heiß die Sonne ist?«, fragte er.
Penny krümmte die Finger ihrer rechten Hand zur Faust und hielt sie sich wie ein Fernrohr vors Auge. Sie ließ eine punktgroße Öffnung, durch die gleißendes Licht fiel. Dann drückte sie den Tunnel zu und öffnete ihn wieder. In der Krümmung ihrer Finger leuchtete es rot.
»Fast sechstausend Grad«, sagte Tom.
Penny nahm den Smaragd in beide Hände. Spürte sein Gewicht.
»Du bist ja bloß neidisch.«
Vorsichtig legte sie ihn in die Kiste zu den anderen Steinen.
»Weil du noch nichts hast.«
Tom lachte.
»Neidisch.«
Er ließ Erde in das Sieb fallen.
»Wenn ich Glasscherben suchen würde, hätte ich schon eine ganze Wagenladung davon.«
»Wenn ich Gerippe suchen würde, müsste ich dringend mal zum Arzt gehen.«
»Ich suche keine Gerippe.«
Tom warf die Erde mit dem Sieb hoch.
»Sondern?«
»Verstehst du sowieso nicht.«
Er nahm den Plastikeimer und rappelte mit dem Inhalt.
»Außerdem ist hier drin schon alles voll davon.«
»Voll von was
Tom merkte, dass sein Unterschenkel einschlief. Vorsichtig verlagerte er das Gewicht, streckte ein Bein aus und bewegte die Zehen in den Sandalen.
»Knochen.«
Penny beugte sich über den Eimer. Ein paar gelblich-weiße Brocken lagen darin, die sie an versteinertes Kaugummi erinnerten.
»Das sind doch keine Knochen
Sie wollte eines der Stücke anfassen, traute sich dann aber doch nicht und zog ihre Hand zurück.
»Papa hat gesagt, dass hier früher eine Gaststätte war.«
Tom klopfte mit der flachen Hand auf das Beet, in dem sie hockten.
»Genau hier. Wo jetzt unser Garten ist.«
Pennys Augen wurden groß. Ihre Iris kam ihm plötzlich noch grüner vor als sonst. Wie Sonnen, dachte er. Wie winzig kleine Sonnen, von denen nur die Strahlung zu sehen ist, weil sich der Mond davor geschoben hat.
»Und dann ist eine Bombe drauf gefallen.«
Tom nahm eine Handvoll Erde und warf sie hoch.
»Aus einem Flugzeug. Direkt auf die Kneipe.«
»Du meinst, im Krieg?«
Tom nickte.
»Und deswegen suchst du nach Knochen?«
Sie wich vor dem Eimer zurück und setzte sich ein Stück weiter nach hinten.
»Das ist eklig, Tom.«
Ihr Bruder stieß seine Schaufel ins Beet.
»Das ist der Grund, warum du hier so viel Glas findest.«
Er nickte in Richtung ihrer Schatztruhe.
»Geschmolzene Bierkrüge. Das sind deine Schätze.«
»Als ob Bierkrüge schmelzen könnten.«
»Sechshundert Grad«, sagte Tom. »Der Transformationsbereich von Glas. Ab da wird es formbar.«
Penny hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Sie drückte die rote Plastikschaufel in die Erde und achtete darauf, keine Wurzeln zu durchtrennen. Die feinen Lebensadern der Pflanzen nicht zu verletzen. Als würde man Haare zerreißen, so fühlte sich das an, und von dem rupfenden Geräusch, das dabei entstand, zog sich alles in ihr zusammen.
Vorsichtig hob Penny die Schaufel aus der Erde.
 Tom schüttelte das Sieb, bis nur noch klippernde Bröckchen über das Plastikgitter sprangen. Er wollte gerade mit der Untersuchung des Materials beginnen, als seine Schwester einen Schrei ausstieß.
Die Schaufel an Pennys ausgestrecktem Arm zeigte auf ihn. Ihr Blick hob sich langsam von der Erde darauf in sein Gesicht.
Tom setzte das Sieb ab und hockte sich neben sie.
Jetzt sah er es auch.
Aus der Erde ragte ein langes, regenwurmartiges Ding. Nur, dass das kein Regenwurm war.
»Wirf das weg«, sagte er. »Das ist voller Keime.«
Tom wusste, dass sie Mäuse im Garten hatten. Jeden Tag nach Feierabend sah er ihren Vater in seinem weißen Uhrmacherkittel aus der Werkstatt kommen und die Erdhäufchen auf dem Rasen zählen.
Diese verfluchten Biester, schimpfte er dann. Die Biester sind immun geworden gegen das Gift.
Das Gift waren kleine graue Schwefelkegel, die man an der Spitze anzünden und umgekehrt ins Mauseloch drücken musste, ganz fest, damit der Rauch tief in das verzweigte Tunnelsystem unter der Erde drang und die Schädlinge vernichtete.
»Wirf das weg«, wiederholte Tom und deutete unter den Ginsterbusch.
Langsam ließ Penny die Schaufel sinken.
»Ist das eine Maus?«, fragte sie.
»Eine Wühlmaus, ja.«
Seine Schwester beugte sich dicht über den leicht behaarten Ringelschwanz.
»Sie ernährt sich von Wurzeln und Zwiebeln. Das ist der Grund, warum Papa sie loswerden will.«
»Weil die Pflanzen dann sterben.« Penny zog den Ärmel ihres Kleides über die Hand. »Weil die Pflanzen dann sterben, wenn sie keine Wurzeln mehr haben, stimmt’s?«
Sie streckte den Arm aus und nahm den Schwanz zwischen Daumen und Zeigefinger. Zog die Maus aus der Erde. Spürte das unruhig baumelnde Gewicht zwischen ihren Fingern wie einen Juckreiz.
Schaudernd warf sie die Maus von sich. Mit einem sehr kleinen Geräusch landete das Tier vor dem Ginster.
Penny zögerte. Dann kroch sie langsam näher.
Die Maus hatte große Zähne. Ihr Mund stand offen, ihre Augen waren zu Strichen geschlossen. Wie im Zeichentrickfilm, wenn jemand ohnmächtig wird, dachte sie.
Penny war jetzt ganz nah. Die Maus wirkte viel kleiner, als sie gedacht hatte. Penny starrte auf die winzigen Erdkrumen in ihrem Fell, und Tom dachte: Mikroorganismen. 2 bis 3 Milliarden verschiedene Arten. Davon über 99% noch unentdeckt.
»Bitte, Penny. Die ist voller Bazillen. Wir müssen sie vergraben.«
70% des gesamten Lebens sind unsichtbar, dachte er. Gerade mal ein halbes Prozent davon ist bekannt.
»Tom! Ich glaube, sie atmet noch!«
Es gab noch so viel zu erforschen. Noch so viel zu entdecken für ihn, in der Welt der Wissenschaft.
Penny sah ihn an. Ihre Augen strahlten.
»Wir müssen ihr helfen!«
Tom erinnerte sich an das Geräusch, das die Maus gemacht hatte, als sie auf der Erde gelandet war. Er hatte noch nie etwas so Trauriges gehört.
»Die ist tot, Penny.«
»Wir müssen ihr was zu fressen geben.«
Penny deckte die Maus mit einem Blatt zu.
»Wenn sie aufwacht, braucht sie dringend Nährstoffe.«
»Die wacht nicht mehr auf.«
Tom fragte sich, woher seine Schwester Worte wie Nährstoffe kannte. Ob sie ihn bloß beeindrucken wollte oder ob sie selbst heimlich in der Welt der Wissenschaft las.
Penny riss ein paar Blütenblätter vom Ginster, hob das Mäuseköpfchen an und bettete es darauf.
»Nicht anfassen, Penny!«
Sie rupfte Gras aus und legte es der Maus zum Fressen neben den offenen Mund.
Dann fing sie an, zu ihr zu sprechen. Sie sprach zu ihr, wie alte Menschen zu ihrer Katze sprechen. Oder Mütter zu ihren Säuglingen. Und plötzlich fragte sich Tom, ob die Maus nicht doch wieder aufwachen konnte. Obwohl das natürlich absurd war. Obwohl er natürlich wusste, dass sie tot war. Die aufgerissene Schnauze. Ein stehengebliebener Schrei, eingefroren im Moment des Schmerzes.
Tiere empfinden keinen Schmerz, hatte sein Vater gesagt. Die sind wie Pflanzen. Die spüren nichts.
Toms Ohren begannen zu fiepen. Als wollten sie sich auf die Schwingungsfrequenz toter Mäuse einstellen. Auf die Leere in dem Tunnelsystem unter ihrem Garten.
Er dachte an all die Leichen in den Gängen. Pelzige Körper, die langsam verwesten. Tunnel, die einzustürzen begännen, wenn sie nur lange genug nicht benutzt würden.
»Aber sie kann doch nichts essen.« Tom schüttelte den Kopf. »Du bist so dumm. Wenn sie wirklich aufwacht, muss sie erstmal trinken.«
Penny sah ihn an.
Tom merkte, dass er rot wurde.
Er wandte sich ab. Sein Gesicht glühte. Für eine kurze, schreckliche Sekunde wusste er gar nichts mehr.
Er sprang auf und rannte zum Laden. So schnell, dass er den Wind im Gesicht spürte.
Sein Vater saß am Werktisch vor dem Fenster. Die Lupe klemmte in seiner rechten Augenhöhle. Er war dicht über ein Uhrwerk gebeugt und hielt einen winzigen Schraubendreher in der Hand.
Als Tom ihn fragte, was Mäuse für gewöhnlich trinken, sah er auf. Sein Blick schien von sehr weit her zu kommen, aus einem Land, in dem winzig kleine Zahnrädchen präzise ineinander griffen und eine Mechanik in Gang hielten, die man erst begriff, wenn man alt genug war. Alt genug für komplexe Zusammenhänge.
Das Auge seines Vaters wurde durch die Lupe absurd vergrößert.
Tom wiederholte die Frage, und erst jetzt meinte das Riesenauge wirklich ihn.
Sein Vater nahm die Lupe ab, ließ sie in die Brusttasche seines Kittels fallen und folgte ihm in den Garten.
Penny sang der Maus gerade ein Lied vor. Sie war so vertieft darin, dass sie die beiden nicht kommen hörte.
Ihr Vater blieb in einiger Entfernung stehen und sah zu, wie seine Tochter vor einer auf Blütenblätter gebetteten Maus kniete und ein Lied sang, das Tote zum Leben erwecken sollte.
Es war Row, row, row your boat. Als Tom in Pennys Alter gewesen war, hatten sie es auch mit der Klasse gesungen, in einer der allerersten Englischstunden.
Tom wartete darauf, dass sein Vater etwas sagte. Dass er Penny erklärte, wie dumm sie war. Dass er mit ihr schimpfte oder sie warnte, vor dem Gift im Boden, dem Gift in der Maus. Dass er die Maus mit seiner Lupe wenigstens genau untersuchte.
Aber er tat nichts. Er stand einfach nur da und starrte schweigend auf das, was zwischen seiner Tochter und der Maus geschah.
»Ich hab’ ihr schon gesagt, dass das nichts bringt.«
Tom hakte die Daumen hinter den Bund seiner Hose.
»Die ist doch tot wie sonstwas.«
Sein Vater sah regungslos zu, wie seine Tochter Glasbrocken aus einer Kiste nahm und sie um die Maus herum verteilte.
»Oder?«
Tom blickte ihn von unten an.
»Oder, Papa?«
Sein Vater war viel größer als er, er war lang und dünn, er hatte die Hände tief in den Kitteltaschen vergraben, und Tom befürchtete plötzlich, dass er umfallen, dass der nächste Wind ihn einfach wegwehen könnte.
»Aber natürlich, Junge.«
Sein Vater ließ die Hand kurz auf seinem Kopf ruhen.
»Das weißt du doch.«
Dann drehte er sich um und ging.
Tom sah ihm nach. Sein Vater machte kleine Schritte, sein Kopf war gesenkt. Er hing ein bisschen schief, wie bei der Maus.
»Row, row, row your boat gently down the stream – merrily merrily merrily merrily life is but a dream«, sang Penny.
Die Tür hinter seinem Vater fiel zu. Durch das Fenster sah Tom ihn am Werktisch Platz nehmen und die Lupe vors Auge klemmen, aber er beugte seinen Oberkörper nicht über das Uhrwerk, er starrte weiter nach draußen, durch seine Lupe, die nichts klarer machte in der Entfernung, sondern alles verschwimmen ließ.
Ein Wesen aus uralter Zeit, dachte Tom. Ein uraltes trauriges Wesen aus einer Welt voller Räder und Schrauben.
Tom hockte sich neben seine Schwester und sah zu, wie Penny immer mehr Glas übereinander schichtete.
»Was machst du da?«
Grünes, gelbes, rotes und weißes Licht fiel über den pelzigen Körper. Wie in der Kirche, wenn die Sonne durch das große Fenster mit den farbigen Scheiben leuchtete.
»Ich baue ihr ein Haus«, sagte Penny. »Ein Haus aus Licht. Damit sie es schön hat, wenn sie aufwacht. Und denkt, sie ist eine Kaiserin oder so. Bei dem ganzen Reichtum um sie rum. Den ganzen Edelsteinen.«
Der Ginster über ihrem Kopf bewegte sich im Wind. Durch die weiße Haut ihrer Arme konnte Tom den Verlauf ihrer Venen sehen.
Er nahm seinen Eimer und schüttelte ihn. Es klapperte hohl und klang nach Plastik.
Jedes Auge ist eine Sonnenfinsternis, dachte Tom. Ein Feuer aus über 149 Millionen Kilometern Entfernung.
Und wir kennen nicht mal ein halbes Prozent.
Ein halbes Prozent von gar nichts.

(...)