Literaturpreise-Hamburg.de

Joachim Bartholomae
Zuzanna Musialcyk und Ferdinand Leopold
Friederike Meltendorf
Stefan Beuse
Kristine Bilkau
Ursula Menzer
Akin E. Sipal
Tobias Sommer
Silke Stamm

Stefan Beuse

aus der Jurybewertung zu


„Ein Text über ein Geschwisterpaar, er, der ältere Bruder, wissenschaftsgläubig, analytisch, intellektuell überlegen, sie die jüngere Schwester, wundergläubig, kindlich, emotional.  Als die beiden in ihrem Garten eine tote Maus finden und die Schwester alles mögliche unternimmt, um das Unmögliche zu erreichen, dass die Maus nämlich wieder lebendig wird,  tut der Bruder etwas, was seinem Selbstbild des coolen, unbestechlichen Wissenschaftlers aufs Schärfste widerspricht. Er raubt das tote Tier, um  der Schwester die Illusion lassen, ihre Maus sei auferstanden und davon gelaufen. Es ist ein klassisches Liebesopfer, zugleich markiert diese Handlung die Schwelle,  an der der Junge erwachsen wird.

Eine zärtliche Geschichte voller Poesie und Melancholie,  erzählt in wunderschönen Bildern und kunstvollen Dialogen. Sehr genau, doch gleichsam zärtlich entwirft der Autor seine Charaktere, evoziert  den Kosmos der  kindlichen Welt und spürt mit seismographischer Beobachtungsgabe ihren Irritationen und Erschütterungen nach. Unter all dem  liegt ein raffinierter Subtext, der die Frage nach der Wirklichkeit diskutiert. Ist sie das, was evidenzbasiert und wissenschaftlich abgesichert ist oder gibt es da noch etwas Anderes, etwas Magisches und Geheimnisvolles. “