Literaturpreise-Hamburg.de

Daniel Gerzenberg
Miriam Mandelkow
Claudia Steinitz
Sigrid Behrens
Manuel Funk
Tino Hanekamp
Jonis Hartmann
Catharina Junk
Susanne Neuffer

Jonis Hartmann

aus der Jurybewertung


„Die Texte, die wir heute auszeichnen wollen, sind Teil einer Trilogie mit dem Titel Niedlicher Existenzialismus. Niedlich ist ihre Länge: denn kurz sind sie alle, die kürzesten unter ihnen gerade einmal drei Zeilen lang. Vor allem aber sind sie immer pointiert erzählt und halten verblüffende Wendungen bereit. Hartmann spielt mit den Erwartungen des Lesers und unterläuft sie permanent. Mit landläufigem realistischem Erzählen hat seine Prosa nur wenig zu tun. Banale Alltäglichkeiten vermischen sich hier mit absurden, surrealen und phantastischen Begebenheiten, vorgetragen mit trocken-lakonischer Beiläufigkeit. Wie in der Geschichte vom viel gescholtenen Familienvater, der eines Morgens einen erstaunlichen Fund in seinem Kirschplunder macht, der sein Leben auf den Kopf stellt. Oder in der von Wim, der nach zahllosen unbefriedigenden Zeitarbeitseinsetzen endlich einen ordentlichen Job bekommt, als Auftragskiller, vermittelt vom Arbeitsamt. Die Welt, die Hartmann schildert, ist aus den Fugen. Kausalität und Finalität spielen bloß noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch versuchen seine Figuren immer und immer wieder, dem Chaos einen Sinn abzuringen - und sei es, dass sie sich, wie in der Geschichte Feilschen gegen ihren Erzähler auflehnen: Was soll man auch von ihm halten, unzuverlässig wie er ist. Oft scheitern Hartmanns Figuren bei ihrem Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen, und meist tun sie das auf sehr komische Art und Weise.

Jonis Hartmanns Kurz- und Kürzestgeschichten sind blitzgescheite, erzählerisch raffinierte, herrlich groteske Texte in einer stark rhythmisierten, prägnanten Sprache, die diese Auszeichnung mehr als verdient haben.“