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Daniel Gerzenberg
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Susanne Neuffer

Daniel Gerzenberg

aus: Jean-Pierre Siméon „Stabat Mater Furiosa“

übersetzt aus dem Französischen


Ich bin die die sich weigert zu verstehen
ich bin die die nicht verstehen will und
die fleht
und wenn ich flehe lacht nicht
kein schulterzucken kein
murren
und keine ausflüchte gesenkten blicks
um meiner stimme auszuweichen
mein gefühl ist kein hund den ich ausführe
kein kleines hündchen das ich liebkose und ausführe
mein gefühl ist schwarz und schwer
es hat das gewicht der axt und
die schärfe des feuersteins
und wenn ich bete dann ohne götter
wenn ich bete dann so wie wenn man sagt: bitte
das leben bitte ich
ich bitte das leben und
ich weiß nicht worum ich es bitte aber
ich weiß dass das gebet schwer und schwarz ist
(...)
ich spucke
ich spucke auf den mann des
den mann des kriegs
ich spucke auf den krieger des nächsten
des nächsten kriegs
der heute mit seinem plüschbären spielt den flügeln der fliegen und
dem roten und blauen pulver der schmetterlinge
ich spucke auf den kriegsgeist der das leid denkt und einplant
ich spucke auf den der den teig des krieges knetet
und küsse seinen schlaf während man den tod im ofen des krieges bäckt
ich spucke auf das rinnsal des bluts das von den fingern des siegers tropft
wie ein taschentuch versehentlich in die gosse fällt
ich spucke auf den der aus einem frauenkörper ein offenes stück fleisch macht
ein blaues stück fleisch das weiss war
wespenbedeckt das zum küssen da war
zerrissen das der sonne wie seide war
ich spucke auf den hass und die notwendigkeit auf den hass zu spucken