Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Große
Doris Kouba
Corinna Popp
Myriam Keil
Kaspar Peters
Charlotte Richter-Peill
Saša Stanišić
Tanja Schwarze
Katrin Seddig

Myriam Keil

aus der Jurybewertung


„Myriam Keil wird für drei Kurzgeschichten ausgezeichnet, die zu einem hochkomplexen, durchkomponierten Erzählzyklus mit dem Titel Unverträglichkeiten gehören. Er führt uns leitmotivisch in den Bereich der Medizin und philosophiert über Anziehungs- und Abstoßungsreaktionen, vor allem aber über den Verlust in all seinen Schattierungen. Auf beeindruckend tiefschürfende Weise, voller Empathie für ihre Figuren und mit einem präzisen Sprach- und Symbolgefühl vermag sich Myriam Keil in unterschiedlichste Lebens- und Gedankenwelten zu versenken – und das auf der literarisch maximal verdichteten Strecke der Kurzgeschichte. In der Erzählung Die Türklinkenfabrik gelingt einer jungen Frau der Aufbruch aus dem seit dem Tod des älteren Bruders verstummten Elternhaus. Den Horror und die Fesseln des Alltags entlarven die verklebten Mundwinkel des Vaters. In kleinen Schlucken erzählt vom selbstbewussten Selbstverschwinden eines jungen Mädchens, das beschließt, nicht mehr zu essen. Sein Mund wird zur Einfuhrschleuse des ganzen Schmutzes der Welt – da scheint es absolut nachvollziehbar, ihn lieber geschlossen zu halten. In Empfänger unbekannt verliert sich die Fahrerin eines Organtransports auf ihrer eigenen Gedankenautobahn. Dabei genügen Myriam Keil Details, um die aus den Fugen geratene Welt ihrer Protagonistinnen zu schildern. Sie entwirft Heldinnen, die sich ihrer Schwächen ganz bewusst sind und gerade daraus ihre Stärke beziehen. Denn: Das Wichtigste ist doch, sich selbst zu retten."