Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Große
Doris Kouba
Corinna Popp
Myriam Keil
Kaspar Peters
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig
Tanja Schwarze
Saša Stanišić

Kaspar Peters

aus der Jurybewertung:


„Das Kennwort, unter dem Kaspar Peters mehrere Erzählungen und den Beginn eines Romans eingereicht hat, lautet Terrain Vague. Was so viel bedeutet wie Ödland. Terrain Vague ist auch der Titel eines Videofilms von Kaspar Peters, der im Internet abrufbar ist. Ein Schwarz/Weissfilm zwischen Wohnungsenge und U-Bahn, 12 Minuten lang, ein junges Paar, dem der Alltag und der Verlust jeglicher Empathie im Wege stehen, eine Ödnis der Liebe zwischen Annäherung, Abwasch, Ausreden und Träumen. Sätze aus diesem und anderen Video-Filmen finden sich auch in den Erzählungen und dem Romanbeginn wieder. Dazu der gemeinsame Titel der Arbeitsproben: Raubtiere in der gemäßigten Zone.
Mit neun Seiten die längste unter den eingereichten Erzählungen hat den Titel Abends kommen die Tiere. Ich lese ihn wie den ergänzenden Subtext zum Diskurs der Liebe in dem Videofilm Terrain Vague. Das junge Paar zwischen Schlafen und Wachen. Angesichts der Entrücktheit seiner Partnerin beschwört der Ich-Erzähler eine mythische Vergangenheit des Wachseins, ein großes Feuer der Liebe. Er evoziert ein phantastisches Bühnenbild aus Natur- und Tierbildern, in denen sich die beiden in wacher Zugewandtheit ergehen, während nebenan die Läden geschlossen, die Wohnbunker abgesichert und für den Fernsehabend eingerichtet werden. Angesichts der vorherrschenden Müdigkeit ist die wahre Natur verschüttet. Nur die Liebe treibt in der Erinnerung die romantische Verzückung hervor. Ironie, Selbstironie und tiefere Bedeutung grundieren diese Erzählung, in der sich romantische Träumerei und eine dem Kapitalismus entwachsene Fremdheit, Distanz und Sprachlosigkeit ineinander spiegeln, die tierische Wachheit des Herzens, der Sinne und des Verlangens in der lähmenden Müdigkeit einer an seiner Dekadenz erstickenden Epoche. Das junge Paar wendet sich dem Wald zu und dem geliebten Tier, das dort auf die beiden wartet.

Mit entgrenztem Pathos und hemmungslosem Kitsch dann die Paraphrase aufs Ganze: Die Erzählung Ich ersehne die Wildnis. Eine Landschaft müsste man sein, ein wildes Tier, alles, nur nicht das. …Ich muss mich wegatmen, wegbrennen aus dieser Welt, Atemzug für Atemzug weniger werden, eins werden mit der Glut und verschwinden. So entlässt ein Autor seinen problemvollen Helden ins Nirwana. Ein Autor, der in Film und Wort Grenzen ausreizt und mehr hergibt als ein Versprechen auf die Zukunft

.“