Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Große
Doris Kouba
Corinna Popp
Myriam Keil
Kaspar Peters
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig
Tanja Schwarze
Saša Stanišić

Charlotte Richter-Peill

aus der Jurybewertung:


„Für ihre Erzählung Die Reise erhält Charlotte Richter-Peill einen Förderpreis, weil sie den Mut hat, die Erwartungen ihrer Leser beim Schopfe zu packen, mit ihrer Erzählkunst mehrfach um die eigene Achse zu wirbeln und ihnen schließlich eine lange Nase zu zeigen. Man reibt sich die Augen und bleibt verblüfft zurück, erschüttert, begeistert und auf höchstem Niveau unterhalten. Es beginnt alles ganz harmlos, präzise und schonungslos beobachtet: Eine alleinstehende Lehrerin, Frau Kamereit heißt sie, meldet sich an ihrem 50. Geburtstag krank. Sie setzt sich ins Auto und begibt sich auf eine Reise, die so lange dauerte, bis sie irgendwann zu Ende war: Wenn bestimmte Songs im Radio laufen, biegt sie ab, immer nach links. Leise, ganz leise schleicht sich das Grauen in diese grandios beobachtete Etüde über die Einsamkeit: Die Mantelschöße des ebenso undurchsichtigen wie erotisch anziehenden Mitfahrers M bauschen sich unheilvoll, der einsame Gasthof ist schön, aber menschenleer, ein Sturm zieht auf... Der Showdown dieser bildstarken Geschichte ist ein erzählerischer Coup, der an große Vorgänger denken lässt. Jedoch: Die Reise ist viel mehr als eine mit maximalem Stilempfinden erzählte gothic novel: Sie ist eine Studie über das Älterwerden, über das Begehren und den Willen, sich Abenteuer und Dynamik für ein festgefahrenes Leben zurückzuerobern – voll tiefsinniger, ironischer Distanz, doch mit Empathie und einem feinen Ohr für die Zwischentöne erzählt.“