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Saša Stanišić

Saša Stanišić

DIE FABRIK

Mein Wagen dreht im Schneetreiben auf der Hochebene eine Pirouette in den Graben, schon klopfen kleine Hände gegen die Scheiben, Männer in Wolfsfellen und Pumatrainingsanzügen, sie geleiten mich zu einem Gehöft unweit der Straße, eine Baracke, das offene Feuer brav, sie kochen Wasser für den Tee, sie füttern mich mit Mars-Riegeln, und der Tee riecht nach Schaf. Wir sind die Hirten, sagen sie, wir sind es.

Der Hirten Augen groß, wollen nichts von mir wissen.

Wollen nichts wissen, die Hirten, wollen erzählen von einem Gebäude, das sich geräuspert hat vorzeiten und zögert.

Die Fabrik, sagen die Hirten, hinter den Tannen, dort. Die Hirten zeigen zum Fenster, das Fenster ist beschlagen, und der kleinste Hirte steigt auf Zehenspitzen und reibt mit dem Ärmel über das Glas, und alles, was zu sehen wäre, verweht der Schneesturm.

Was heißt das, frage ich, zögern, und wie räuspern sich Gebäude, ist das ein Witz?

Wir haben es gehört, sagen die Hirten, wir waren da. Im Windschatten der Fabrikmauern haben wir Karten gespielt. Und sie machen dir gern vor, wie das Räuspern geklungen hat, schroff und stahl, sagen sie, schroff und stahl, sie schnarren durch den Trichter ihrer Hände, und nichts kannst du dir dabei vorstellen.

Der Hirten Lebenslinien aus Erde.

Seitdem zögert die Fabrik, sagen die Hirten. Seitdem wartet die Hochebene, warten der Nebel und der Wind, warten die Hirten und ihr Schnee, dass etwas hinterherkommt.

Sie sagen: Wir bringen dich zu ihr.

(…)