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Brigitte Große
Doris Kouba
Corinna Popp
Myriam Keil
Kaspar Peters
Charlotte Richter-Peill
Katrin Seddig
Tanja Schwarze
Saša Stanišić

Saša Stanišić

aus der Jurybewertung


Eine Fabrik steht unfertig auf der Romanija und zögert. Vorzeiten hat sie sich geräuspert, hörbar nur für die kleinen Hirten mit dem Grinsen aus Karies. Sie hüten die Fabrik, die ein paar bescheidene Träume hergestellt und sogar die EU auf den Plan gerufen hatte, und spielen im Windschatten ihrer Mauern Karten.
Wenige Seiten nur braucht Sasa Stanisic, um in seiner Erzählung Die Fabrik eine Welt hinzutupfen, die beunruhigt und verzaubert und in all ihrer musikalischen Märchenhaftigkeit zugleich schmerzhaft konkret vom wirtschaftlichen Verfall im bosnischen Bergland erzählt – eine skurril amüsante, leise bedrohliche Komposition, die lange nachhallt.
Subtile Erzählführung, Sprachmusik und das Spiel mit Realitäten: All das begegnet uns wieder in der längeren Erzählung In diesem Gewässer versinkt alles. Zwei Erzählstränge streben zueinander und werden kunstvoll verwoben, um schließlich – tatsächlich? – zwei gewaltsam, traumatisch getrennte Lebenswelten zu verbinden, symbolisch vereint durch ein blaues Hemd aus festem Stoff. Ein Genuss.“