Literaturpreise-Hamburg.de

Brigitte Große
Doris Kouba
Corinna Popp
Myriam Keil
Kaspar Peters
Charlotte Richter-Peill
Saša Stanišić
Tanja Schwarze
Katrin Seddig

Corinna Popp

aus der Jurybewertung


„Wer den französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry neu übersetzt, braucht Mut. Der kleine Prinz ist uns so präsent wie kaum ein anderes Werk, und kaum eines ist mit derart vielen Klischees behaftet. Corinna Popp hat gleich doppelt Mut bewiesen und sich nicht nur den Klassiker vorgenommen, sondern auch noch den Erlebnisbericht Terre des hommes, in Saint-Exupérys Biographie wurzelnde Reflexionen des unerschütterlichen Humanisten, die bislang in deutscher Übersetzung von Henrik Becker aus dem Jahr 1940 unter dem Titel Wind, Sand und Sterne vorlagen. Popps Neuübersetzung trägt den Titel Die Erde der Menschen – und schon merken wir: Hier ist jemand mit frischem Blick ans Werk gegangen.

Jede Übersetzung braucht eine Haltung, muss beherzt eine Richtung einschlagen, um auf nicht selten abenteuerlichen Umwegen mit dem Vehikel der eigenen Sprache beim Ton, bei der Haltung des Originals anzukommen. Neuübersetzungen sehen sich zudem mit der kiebigen Frage konfrontiert: Wozu? Corinna Popp überzeugt uns mit ihrer Antwort: um Antoine de Saint-Exupéry vom Ruch der Kalendersprüche, vom Klischee der Sentimentalität zu befreien, ohne ihm die staunende Neugier und Menschenliebe abzusprechen. Hier tritt uns ein spielerischer Saint-Exupéry entgegen, der Pilot, der nach einer Bruchlandung in der libyschen Wüste noch die Muße findet, die gewitzten Überlebensstrategien des Wüstenfuchses zu bewundern – bildstark und griffig, poetisch verdichtet und nüchtern zugleich. Die Übersetzerin hat Antoine de Saint-Exupéry den Wüstenstaub abgeklopft und zeigt uns einen selbstironischen Stilisten. Diese lustvolle Wiederentdeckung verdanken wir Corinna Pop.“