Literaturpreise-Hamburg.de

Christel Hildebrandt
Dr. Annette Kopetzki
Volker Oldenburg
Claus Berg
Maria Regina Heinitz
Hendrik Rost
Ursula Schötzig
Andrea Salt
Judith Sombray

Hendrik Rost

aus der Jurybewertung:


„Da fängt jemand gleich in der Titelzeile des ersten Gedichts, das er uns vorlegt, mit einem literarischen Spielchen an: „Schädelbasisbruch“. Und eröffnet damit eine Reihe von Texten unter dem Titel „Zweiter Schnee“, die ihre Bezüge nicht verleugnen, sondern offenlegen, Bezüge zu Durs Grünbein, zu Yves Bonnefoy, zu Lagerlöfs Nils Holgersson und einem real existiert habenden Zoologen namens Goldfuß. Das Schöne ist: die Gedichte funktionieren mit und ohne Aufschlüsselung, Nachschlagen, Vergewisserung.
Da ist ein menschliches Ich. Es ist nicht einmal besonders einsam, durchaus in Menschennähe, liebt, liest Zeitung, ist in trügerische Jahreszeiten gehüllt, von Tieren umringt: von Mäusen, Gänsen, Koalas. Alles Verständliche fressen die Mäuse. Du bleib. heißt es in dem raffiniert umgebauten Sonett Im Zweifel für das Nagetier.
Auch ein sonst eher als lachhaft festgelegtes Tier wie der Spitz gewinnt einen berührenden Schöpfungsernst und bietet dem Menschen, der ihm die Wolle auskämmt, etwas zum Begreifen an:
So war er immer mehr, als man sein konnte.
Also Naturlyrik als Gedankenlyrik? Jahreszeiten und Tiere werden für sich ernstgenommen und sind zugleich der Türöffner für Gefühl und Reflexion, was auch die Koalas wissen: „Immer wenn Menschen etwas erblicken/ sehen sie ihren Standpunkt/ bestätigt in jeder Geste.
Von diesen klugen und schönen Gedichten geht ein Sog aus, dem wir uns nicht entziehen konnten.“