Literaturpreise-Hamburg.de

Christel Hildebrandt
Dr. Annette Kopetzki
Volker Oldenburg
Claus Berg
Maria Regina Heinitz
Hendrik Rost
Ursula Schötzig
Andrea Salt
Judith Sombray

Judith Sombray

aus der Jurybewertung


„Bitte beachten Sie, wie oft in einem Gedicht wie vorkommt“, schreibt Benn in Probleme der Lyrik und nennt das WIE warnend einen „Einbruch des Erzählerischen, Feuilletonistischen.“ Aber er gibt auch zu, dass es gute Gegenbeispiele gibt. Das WIE in den uns vorliegenden Gedichten von Judith Sombray hätte ihm gefallen können. Vielleicht gerade weil es ein Einbruch des Erzählerischen in die Filmsequenzen ihrer Verse ist. Denn da werden – in einer verdichteten Sprache, die keine verlässlichen Inhaltsangaben zulässt – magische Bildgeschichten aufgebaut. Der Alltag – eine Maschine, die das lebendige Material prüft, ein Wal schiebt sich durch die Straßen wie ein Ruf (…) wie eine Häuserzeile. Viel Natur dringt alarmierend in den Alltag ein, heimatlose Füchse zum Beispiel, Menschen gehen draußen im Wald bei den Tieren verloren, Vögel, Wespen, Bäume bevölkern eine Welt, der nur die Liebe gewachsen sein könnte. Aber auch die Liebe sucht und braucht die Bilder, den Vergleich: „Ich glaube an dich wie an den langsamen / Gang ins erste Seewasser, ich glaube an dich wie an die harten / Kniebänke in den vordersten Kirchenreihen, ich glaube an dich wie / an eine Großstadt(…)
Der Vergleich arbeitet an dem verzweifelten Versuch, das sich Entziehende, Gefährdete zu halten.
Nur auf dem Papier sehen die Texte aus wie Kurzprosa: liest man sie laut, entfalten sie ihren Rhythmus, ein drängendes Tempo, ihren besonderen Klang – eine Tonalität, die in starken Bildern vom Dasein, vom Abschiednehmen und vom Verschwinden redet: Lyrik eben, die ihre Arbeit tut. Und genau dafür wird sie ausgezeichnet.“