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Christel Hildebrandt
Dr. Annette Kopetzki
Volker Oldenburg
Claus Berg
Maria Regina Heinitz
Hendrik Rost
Ursula Schötzig
Judith Sombray
Andrea Salt

Christel Hildebrandt

aus der Jurybewertung


„Amalie Skram hat zwei aufeinander aufbauende Romane über die Psychiatrie im 19. Jahrhundert geschrieben, die in Christel Hildebrandts Neuübersetzung aus dem Norwegischen in einem Band zusammengefasst im Berliner Guggolz Verlag erschienen sind.
Die Autorin, die kurz nach der Jahrhundertwende starb, übt harsche Kritik daran, wie ihre Zeit den Zustand der „Geisteskrankheit“ pauschalisiert und kategorisiert hat. Die fatalen Auswirkungen, die das für die Insassen der Anstalten hatte, musste sie am eigenen Leib erfahren – beide Bücher beruhen auf autobiographischen Erlebnissen. Amalie Skram hatte sich, wie die Hauptfigur Else Kant, freiwillig in psychiatrische Behandlung begeben, fand sich jedoch als Gefangene eines makabren Systems wieder, gefangen im wörtlichen Sinne, dem sie lange nicht entkam. Mutig und aufsässig beschreibt Amalie Skram, wie dem, der über die gesellschaftliche Norm hinausragt, das Recht abgesprochen wird, eigene Entscheidungen zu treffen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen – vor allem, wenn derjenige eine Frau ist.

Christel Hildebrandt findet für Amalie Skrams Wut auf die von Männern dominierte Welt des 19. Jahrhunderts und für ihren feinen Humor eine hochsensible Sprache. Sie transportiert den über hundertjährigen Text so lebendig und überzeugend ins Deutsche, dass man sich fragt, wie es so weit kommen konnte, dass Amalie Skram - zumindest hierzulande - beinah in Vergessenheit geraten ist. Christel Hildebrandt gelingt es mit ihrer Übersetzung, diese spannende Autorin neu zu entdecken.“