Literaturpreise-Hamburg.de

Christel Hildebrandt
Dr. Annette Kopetzki
Volker Oldenburg
Claus Berg
Maria Regina Heinitz
Hendrik Rost
Judith Sombray
Ursula Schötzig
Andrea Salt

Volker Oldenburg

aus der Jurybewertung


„Wir alle haben die Erinnerung an einen Moment, die körperliche Erinnerung, in dem uns eine absolute Panik überfallen hat. Ein Moment, wenn etwas Entsetzliches, Unumkehrbares geschehen ist. David Mitchell fasst diesen Moment in ein Bild: „Meine Knochen werden weich wie warmes Knetgummi.“ So präzise einerseits und so anschaulich auf eine leichte, fast beiläufige Weise wie diese Formulierung ist die gesamte Übersetzung, die Volker Oldenburg von David Mitchells Roman „Die Knochenuhren“, im englischen Original: „The Bone Clocks“ vorlegt.

Dabei ist der Roman eine Zumutung. Die Handlung spielt zwischen 1984 und dem Jahr 2043, sie beginnt in einer Kleinstadt in Kent und endet an der irischen Südküste. Alles dazwischen, und das Buch ist 816 Seiten stark, stellt unsere Erwartungen an einen Roman auf den Kopf. Alle paar hundert Seiten wird Zeit, Ort, Milieu gewechselt und eine neue Erzählstimme übernimmt. Verbindendes Element ist allein die Hauptfigur, zu Beginn des Romans eine rotzige Fünfzehnjährige, am Ende eine krebskranke alte Frau.

Als stellte dies alles nicht schon genügend Ansprüche an einen Übersetzer, ist der Roman über weite Strecken in einem unglaublich rasanten Tempo geschrieben – wir werden es gleich hören –, eine Atemlosigkeit, die es natürlich in der neuen Sprache zu halten gilt. Volker Oldenburg legt mit der deutschen Fassung von „Die Knochenuhren“, so lautet die einhellige Meinung der Jury, eine mustergültige Übersetzung vor: auf Augenhöhe mit der über weite Strecken phantastischen Handlung, sicher im Umgang mit der überbordenden Zahl sprachlicher Register. Nirgendwo ist der Schweiß des Übersetzers zu spüren, die Sprache ist frisch und quicklebendig, wie von einem extrem fabulierlustigen Autor auf Deutsch verfasst. Dass es wohl keinen deutschen Autor gibt, der so zu schreiben vermag, dafür kann Mitchell nichts. In Volker Oldenburg hat er einen Vermittler über die Grenzen hinweg, wie es sich ein Schriftsteller nicht besser wünschen kann."