Literaturpreise-Hamburg.de

Gabriele Haefs
Barbara Mesquita
Martin Savov / Henrike Schmidt
Jens Eisel
Finn-Ole Heinrich
Maria Victoria Odoevskaya
Marie-Alice Schultz
Leona Stahlmann
Dita Zipfel

Finn-Ole Heinrich

aus der Jurybewertung:


„Schon die ersten Sätze des Romanauszugs charakterisieren den Helden der Geschichte – und geben gleichzeitig Hinweise auf die Poetik des Autors. Pekka, so findet auch der zwei Jahre ältere Erzähler und beste Freund Henri, „ist der ungewöhnlichste Neuneinhalbjährige, den man sich vorstellen kann.“ Pekka ist – wie viele andere junge Helden der Literaturgeschichte auch – nicht mit normalen Altersmaßstäben zu messen. Er verhält sich nicht altersgemäß, daraus zieht die Geschichte ihre Spannung. Pekka ist ein vom Vater vernachlässigter, mythomanischer, wahnsinnig unerschrockener, sich entschlossen ins Leben stürzender, mutiger, gegen die konventionellen Vorstellungen von Minderjährigkeit rebellierender (und sie gleichzeitig auch zum eigenen Vorteil ausnutzender), fuchsschlauer und ausgebuffter Junge mit einem eigenen Idiolekt und einer Supermarktplastiktüte voller Geld. Getrieben von dem Wunsch, seinen sagenumwobenen Piraten-Vater endlich in „Marrakkesch“ zu finden, sturmklingelt er seinen Freund eines Tages im Morgengrauen aus dem Bett und forciert einen schnellen Aufbruch mit kleinstem Gepäck. Gemeinsam mit dem zaudernden Henri hastet er zum Busbahnhof, um einen Fernbus nach Frankfurt zu erreichen. Denn dort soll es per Flugzeug nach Marokko gehen. Die beiden kommen erstaunlich weit, aber am Ende gewinnen ja immer die „mit den Pistolen und den Uniformen“. Vorerst ... Finn-Ole Heinrich erzählt von einem ungewöhnlichen Helden in angemessen ungewöhnlicher Weise: rasant, mit originellen Wortschöpfungen und wechselndem Tempo, manchmal auch stakkatoartig und sprunghaft, mit einem starken Gespür für unverbrauchten Wortwitz, rotzig-poetisch und wildlebendig. Es ist die Geschichte einer (auch poetischen) Selbstermächtigung, die einen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound hat, tollkühn sprachliche Konventionen gegen den Strich bürstet und von einer mitreißenden, ja unbändigen Lust am Erzählen zeugt“