Literaturpreise-Hamburg.de

Gabriele Haefs
Barbara Mesquita
Martin Savov / Henrike Schmidt
Jens Eisel
Finn-Ole Heinrich
Maria Victoria Odoevskaya
Marie-Alice Schultz
Leona Stahlmann
Dita Zipfel

Leona Stahlmann

aus der Jurybewertung


"Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Zumindest ich habe als Jurymitglied nicht alle Texte von A-Z gelesen, viele bis Seite 20, die meisten bis Seite acht. Der Auszug von «Vetko» allerdings hat mich schon auf Seite 1 gekriegt, wo es heißt: «Während wir den Wald mit dem Gefühl des Durchstoßens einer zu niedrigen Decke abstreiften, und die holzbeschindelten kleinen Häuser zurückließen (…), in denen unsere Eltern hinter krausen Spitzengardinen an Eichentischen saßen (…) und sich den Kopf zerbrachen, was man mit Gender studies im Hauptfach und Amerikanistik im Nebenfach denn anfangen könne, blieb Vetko, wo er war (…).»
«Vetko» verklärt nichts, nicht die Zeit, in der er spielt, nicht das Dorf, aus dem er kommt, nicht die die Erwartungen, die man hat, bildet aber auch keineswegs nur ab. Dieser Romanauszug schafft es, Identifikation und Befremden in ein und demselben Moment zu stiften – man wähnt sich genau so sehr in einem mutmaßlich süddeutschen Kaff wie im Auenland. Er ist ungeheuer zeitgemäß, nicht zuletzt auch in der Art seiner Naturbeschreibung: das neumodische Rind auf der Weide ist der Frustkauf des Milchbauern nach seiner Trennung. Er ist pathetisch in einer Weise, die gut ins 21. Jahrhundert passt. «Vetko» ist so eigen, dass er neugierig und gespannt auf alles Kommende macht (und ich hoffe, dass Leona Stahlmann ihrer twitter-Bio Niemalsdenromanfertigschreiberin nicht alle Ehre macht). Also, ich muss Ihnen sagen: von diesem Text lese ich dann alles, von der ersten bis zur letzten Seite und auch den Anmerkungsapparat."