Literaturpreise-Hamburg.de

Gabriele Haefs
Barbara Mesquita
Martin Savov / Henrike Schmidt
Jens Eisel
Finn-Ole Heinrich
Maria Victoria Odoevskaya
Marie-Alice Schultz
Leona Stahlmann
Dita Zipfel

Dita Zipfel

aus der Jurybewertung


„Was jeder weiß: Findet man eine Bombe, zum Beispiel bei sich zuhause in der Schublade, muss man wie im Film den roten Draht durchknipsen. Nun, bei einer Atombombe ist das schon schwieriger – besser man lässt sie erst einmal liegen. Sie tickt ja nicht. Ungefähr so geht es Lucia Schnurrer, der 13-jährigen Heldin unserer Geschichte. Sie wollte nur Hundesitterin werden und ehe sie sich's versieht ist sie Biografin eines geradezu verrückten Mannes, der allerlei wirres Zeug redet über Fabel- und Nachtwesen. 13-Jährige wie Lucia gibt es vielleicht gar nicht, aber sie sollten uns auf jeden Fall nie ausgehen. Sie haben noch die unerschöpfliche Kraft von Kindern, sind aber noch nicht so sediert wie Jugendliche später – und sie wissen im Grunde schon alles. Das besondere Bestiarium, in dem Lucia sich plötzlich wiederfindet, kann sie nicht wirklich überraschen. Sie kennt die Neigung der Menschen schon, immer gewöhnlicher zu werden, je älter sie sind. Mit dem ersten selbstverdienten Geld will sie daher auch ihre Tante besuchen, die einfach anders ist. „Eine Sache“, sagt sie, „die man nach Essen, laufen, sprechen, lesen im Leben lernen muss, ist leben. Ich meine im Großen.“ Und andererseits fällt ihr auf, dass es doch erstaunlich wenige normale Erwachsene gibt. Also ist Normaliät vielleicht doch nicht etwas ganz so Schlimmes, wenn sie im Sinnen von Ehrlichkeit gelebt wird. Was das alles mit der Atombombe zu tun hat? Ist doch klar, sie steht für das, was man gerade am nötigsten braucht: Liebe bis zum Abwinken. Auf wenigen Seiten entstehen Figuren, die sich tief einprägen. Die Göre und der Alte sind ein umwerfendes Gespann. Und nicht zu vergessen: Es geht ganz viel um ungewöhnliches Essen.“